Dienstag, 15. Februar 2011

Berlin lässt grüßen- oder: Es schneit in Stockholm



Am letzten Donnerstag begann es bei kräftigem Nordwind zu schneien. 24 Stunden später bedeckte bis zu 40 Zentimeter Neuschnee die Hauptstadt Skandinaviens. Wer es verpasste rechtzeitig aufzustehen, erlebte sein weißes Wunder. Der Busverkehr war stadtweit eingestellt, die U-Bahn fuhr bestenfalls unregelmäßig, auf einigen Strecken überhaupt nicht mehr und vom Straßenräumdienst konnte man weit und breit nichts sehen. Die Wege zur Arbeit gestalteten sich für Hunderttausende zum Albtraum. Wenn man nicht gleich zu Hause blieb.

Dann kam das Wochenende und die Lage beruhigte sich. Vorerst. Denn am gestrigen Montagmorgen wiederholten sich die Vorgänge. Nicht mehr in dem Ausmaß, wie am vergangenen Freitag, aber wieder fielen ganze Buslinien aus und viele Stockholmer saßen erneut fest. Der Großteil der Straßen ist weiter mit Schnee bedeckt, obwohl sonst nicht mit Salz gegeizt wird. Der Autoverkehr gestaltete sich entsprechend zäh und man zählte ungewöhnlich viele Verkehrsunfälle.

Die Nerven der Stockholmer lagen blank. Überall traf man wütende und zeternde Betroffene. So etwas habe man hier noch nicht erlebt, hieß es allenthalben und die Leute fragten sich, wie so etwas in der Hauptstadt Skandinaviens passieren konnte.

Von den Betreibern der öffentlichen Verkehrsmittel hieß es, dass die Allwetterreifen der Busse wohl nicht ausreichend schneetauglich wären und deshalb vorsorglich in den Depots verblieben. Außerdem betonte man, dass der Verkehr am Freitag wegen Schnees eingestellt wurde, am Montag aber wegen der Kälte. Im gesamten Stadtgebiet befänden sich alle 120 Räumfahrzeuge auf der Straße, verlautbarte kurz danach das Trafikverket.

Man tat also etwas, sollte das wohl heißen. Mir flüsterte dann jemand zu, bis vor 10 Jahren hätte es sechs Mal so viele Räumfahrzeuge gegeben.

Ein Sprecher der Regierung bestand darauf, dass noch nie in der schwedischen Geschichte so viel Geld für Infrastruktur ausgegeben wurde wie in den letzten Jahren. Blöd nur, dass kurz danach der eigene Koalitionspartner, in Person der Wirtschaftsministerin Maud Olofsson, die Kürzungen bei den Investitionen für die Infrastruktur kritisierte. Es darf nicht sein, dass bei 20 Zentimeter Neuschnee die Leute nicht zur Arbeit kommen, das sei unhaltbar, beschwerte sie sich über einige Medien und kam damit ihrer Aufgabe als Wahrerin der Interessen der schwedischen Wirtschaft nach.

Andere Politiker schwadronieren derweil öffentlich von grünen Wintern in der Zukunft. Die leidtragenden Stockholmer können da nur noch mit den Kopf schütteln. Von meinem alten Freund und Vollzeitschweden Daniel hörte ich den Vorschlag, dass die Verantwortlichen schleunigst eine Studienreise nach Sibirien oder Alaska unternehmen sollten, um dort zu lernen, wie Verkehrsmittel bei Schnee und Kälte funktionieren. Einen ähnlichen Spruch hörte ich schon im Dezember in Berlin, als dort der S-Bahnverkehr zum Stocken kam. Mit dem Unterschied, dass man damals den deutschen Verantwortlichen Schweden als Ziel der Studienreise nahelegte.

Die Eisdecke auf den Seen und der See in Stockholms Umgebung soll mittlerweile 50 Zentimeter dick sein. Fragt man sich, was die Einheimischen in ihrer Freizeit so tun, muss man nur auf die Seen schauen. Abertausende vergnügen sich bei Sonnenschein und Eiseskälte fahrend, schlitternd oder gehend auf dem Eis. Ganz Verwegene liefern sich Rennen auf ihren Motorrädern und die Abgehärtesten sitzen einfach nur da und angeln.

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