Freitag, 21. Dezember 2012
Weihnachtsgrüße
Zurzeit diskutiert man in Schweden viel über das schlechte Abschneiden bei der PISA-Studie (Ja, stimmt tatsächlich! Mathematik- und Lesevermögen schwedischer Schüler bewegen sich leider auf unterdurchschnittlichem Niveau.), über das Umfragehoch der faschistischen Schwedendemokraten (ganze 10 % der wahlberechtigten Bevölkerung würden diese Partei wählen) und wie immer über die Wohnungskrise (keinerlei Veränderung).
In den nächsten Tagen werden wir das ausblenden, nur um im neuen Jahr die Diskussion erneut aufzunehmen. Ich möchte noch auf diesen Bierblog verweisen, der vielleicht den einen oder anderen Leser interessieren könnte.
Ich wünsche allen schöne Weihnachten und einen guten Rutsch!
Max Kenner
Mittwoch, 14. November 2012
Arena der Freunde
Nun ist es soweit. Wir erinnern uns, nach Korruptionsvorwürfen, Namensstreit und anderen Diskusionen, findet heute endlich das erste Fußballspiel in Schwedens neuer Nationalarena statt. Um 20:30 Uhr wird das Spiel Schweden gegen England in der sogenannten Friends- Arena angepfiffen. Mannschaftskapitän Zlatan Ibrahimovic, der vorgestern zum siebten Mal die Auszeichnung zu Schwedens Fußballer des Jahres erhielt, hat allen Zuschauern einen heißen Tanz versprochen.
Spätestens dann wird niemand mehr über die Korruption im Zusammenhang mit der Errichtung des Stadions und über Sune Reinhold sprechen, den man infolge seiner Verfehlungen bei den Ausschreibungen und dem Bau, zu einer lächerlichen Strafe wegen Korruption (Bewährung, bisschen Geldstrafe) verurteilte. Die anderen Angeklagten sprach man indes frei.
Das Stadion wirkt von außen sehr schick und imponiert mit schönen Lichtspielchen. Für offiziell 2,8 Milliarden schwedische Kronen sollte man auch etwas erwarten können. Leider hält die unmittelbare Umgebung noch nicht ganz mit. Von der sogenannten Arenastadt, mit Wohnungen, Einkaufs- und Amüsiermöglichkeiten, sieht man bisher recht wenig. Zumindest die neue Vattenfall-Zentrale ist aber bereits fertig und bezogen.
Auch für den interessierten Zuschauer aus Deutschland bieten sich in der nächsten Zeit einige Gelegenheiten, das neue Stadion kennenzulernen. Das Finale der Fußballeuromeisterschaft der Frauen im Juli und das Qualifikationsspiel für die Fußballweltmeisterschaft Schweden gegen Deutschland im Oktober nächsten Jahres sollten als Beispiele an dieser Stelle ausreichen.
www.friendsarena.se
Mittwoch, 17. Oktober 2012
Montag, 8. Oktober 2012
Bier trifft Bildung
Oft sind es die kleinen Dinge, die Freude bereiten. Da sitzen neun Lehrer eines Gymnasiums zusammen und trinken von einem der Lehrer in seiner Freizeit selbst hergestelltes Bier (Hoffentlich außerhalb ihrer Lehranstalt). Es muss ihnen gut genug geschmeckt haben, denn die neun Lehrer beschließen von nun an Bier in Kooperation herzustellen.
Soweit die unüberprüfbare Gründungsgeschichte aus Umeå, eines aufstrebenden Städtchens mit einigen tausend Studenten und mindestens ebenso vielen Birken, 640 Kilometer nördlich von Stockholm.
Fakt ist, sie brauen von nun an Bier, die Lehrer, in ihrer Freizeit, an den langen dunklen Abenden, in Umeå, so kurz unter dem Polarkreis. Sie experimentieren, bauen aus, und testen ihre Produkte sicher auch. Während sie noch am Werkeln sind, gründen sie eine Firma namens U&Me Beer AB.
Mit einer gebrauchten 50-Liter-fassenden Brauausrüstung kreieren sie Biere namens UPA (Umeå Pale Ale), USA (Umeå Summer Ale) und USB (Umeå Special Bitter). Und als sie von den Ergebnissen überzeugt sind, bieten sie ihre Produkte einigen Restaurants der Gegend an.
Beinahe sofort stellt sich der Erfolg ein. Die Biere gehen weg wie warme Semmeln. Ob das auf die Studenten, die Birken oder nur auf die Qualität ihrer Biere zurückzuführen ist, vermag ich leider nicht zu sagen. Heute jedenfalls bezeichnen sich die Brauer, nicht ohne Stolz, nicht mehr als die kleinste Brauerei Schwedens.
Ab November 2012 wird ihr Umeå Pale Ale endlich in das Bestellungssortiment des staatlichen Alkoholmonopolisten Systembolaget aufgenommen. Das bedeutet, theoretisch kann jeder volljährige Schwede dieses Bier kaufen. Doch gilt es als sicher, wer nicht rechtzeitig seine Bestellung abgibt, wird wohl leer ausgehen. Die dürstenden Biertrinker Schwedens wissen nämlich jede gute Neuigkeit zu schätzen.
Die Lehrer indes, sind nicht mehr alle als Lehrer tätig. Doch alle arbeiten weiter in Vollzeit in ihren jeweiligen Jobs. Dem Bierbrauen widmen sie sich immer noch nur in ihrer Freizeit.
Die Meinungen der Schüler zu dem Tun ihrer Lehrer, bleiben für uns im Dunkeln, doch werden sie sicherlich dem einen oder anderen ein gutes Beispiel für Kreativität und Unternehmensgeist oder auch nur für Lebenslust geben.
Soweit die unüberprüfbare Gründungsgeschichte aus Umeå, eines aufstrebenden Städtchens mit einigen tausend Studenten und mindestens ebenso vielen Birken, 640 Kilometer nördlich von Stockholm.
Fakt ist, sie brauen von nun an Bier, die Lehrer, in ihrer Freizeit, an den langen dunklen Abenden, in Umeå, so kurz unter dem Polarkreis. Sie experimentieren, bauen aus, und testen ihre Produkte sicher auch. Während sie noch am Werkeln sind, gründen sie eine Firma namens U&Me Beer AB.
Mit einer gebrauchten 50-Liter-fassenden Brauausrüstung kreieren sie Biere namens UPA (Umeå Pale Ale), USA (Umeå Summer Ale) und USB (Umeå Special Bitter). Und als sie von den Ergebnissen überzeugt sind, bieten sie ihre Produkte einigen Restaurants der Gegend an.
Beinahe sofort stellt sich der Erfolg ein. Die Biere gehen weg wie warme Semmeln. Ob das auf die Studenten, die Birken oder nur auf die Qualität ihrer Biere zurückzuführen ist, vermag ich leider nicht zu sagen. Heute jedenfalls bezeichnen sich die Brauer, nicht ohne Stolz, nicht mehr als die kleinste Brauerei Schwedens.
Ab November 2012 wird ihr Umeå Pale Ale endlich in das Bestellungssortiment des staatlichen Alkoholmonopolisten Systembolaget aufgenommen. Das bedeutet, theoretisch kann jeder volljährige Schwede dieses Bier kaufen. Doch gilt es als sicher, wer nicht rechtzeitig seine Bestellung abgibt, wird wohl leer ausgehen. Die dürstenden Biertrinker Schwedens wissen nämlich jede gute Neuigkeit zu schätzen.
Die Lehrer indes, sind nicht mehr alle als Lehrer tätig. Doch alle arbeiten weiter in Vollzeit in ihren jeweiligen Jobs. Dem Bierbrauen widmen sie sich immer noch nur in ihrer Freizeit.
Die Meinungen der Schüler zu dem Tun ihrer Lehrer, bleiben für uns im Dunkeln, doch werden sie sicherlich dem einen oder anderen ein gutes Beispiel für Kreativität und Unternehmensgeist oder auch nur für Lebenslust geben.
Donnerstag, 27. September 2012
Bär des Monats
Für den Freund exotischer Essgenüße gibt es die Tage in Stockholm-Gamla Stan eine etwas überraschende Anlaufstelle. Im Restaurant Monks Porter House, Lilla Nygatan 1 steht noch bis zum Ende des Monats (30.09.2012) Bärenfleisch auf dem Speiseplan.
Da Bär in diesem Land zu den jagdbaren Tieren zählt, weiß man wohl nicht wohin mit dem Fleisch.
Ich hoffe für alle Gäste, dass das Fleisch ausreichend auf Trichinen getestet wurde und verbleibe mit Guten Appetit!
Dienstag, 28. August 2012
Mittwoch, 27. Juni 2012
Das Wetterdilemma
Die schlechte Nachricht zuerst. Seit Beginn der Messung und der Aufzeichnung der lokalen Niederschlagsmenge (1786) hat es in Stockholm im sechsten Monat des Jahres noch nicht so viel geregnet. Bisher fiel dreimal so viel Regen vom Himmel, wie in einem gewöhnlichen Juni.
Auch die Temperaturen lassen deutlich zu wünschen übrig. In den letzten vier Wochen wurden wir mit keinem einzigen meteorologischen Sommertag (mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 25 ° Celsius) beglückt. Schon seit über 20 Jahren gab es nicht mehr solche niedrigen Durchschnittstemperaturen in einem Juni. Von einem richtigen Sommer nirgendwo eine Spur.
Das allein tut weh, führt aber zu allen möglichen und unangenehmen Konsequenzen. Die Seen der Umgebung sind beispielsweise bis zur Oberkante und darüber hinaus vollgelaufen, aber das Wasser für die Jahreszeit viel zu kalt. Vom gemütlichen Baden oder gar ausgiebigen Schwimmübungen konnten wir bisher nur träumen.
Die Preise für kurzfristige Charterreisen in den ausländischen Süden steigen und steigen. Offiziell heißt es, wegen der übergroßen Nachfrage. Doch kann man sich auch gut vorstellen, dass die Reisekonzerne gern die eine oder andere Krone einfach mal „mitnehmen“.
Die Frage, die man sich hier stellt, lautet also: abwarten und doch noch auf das Eintreffen des Sommers hoffen oder aber für viel Geld fliehen und sich an einem beliebigen Strand des Mittelmeers sonnen?
Und damit sind wir schon bei der guten Nachricht. Die Urlaubszeit steht an. Ganz Schweden wird in den nächsten Wochen abgeschlossen. Krankenhäuser, Polizeistationen und Autofabriken schließen ihre Pforten, ebenso wie manche Zeitungsredaktionen und viele kommunale Einrichtungen. Ironie des Schicksals, auch die meisten Schwimmhallen empfangen keine Besucher.
Angeblich müssten jetzt nur noch arme Studenten und geldgeile Schüler arbeiten. Alle anderen liegen in der Sonne oder ja, eben nicht.
Zu mindestens gibt es bei dieser Kälte bisher weit und breit keine Anzeichen von der sonst üblichen Algenblüte in der Ostsee. Aber was nutzt das, wenn beim Baden Körperteile abfrieren?
Ein provokatives Sprichwort, das sicher südlich der Ostsee von Ignoranten erfunden wurde, lautet ja: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Irgendwo im Schrank müsste doch noch ein Neoprenanzug herum liegen….
Montag, 4. Juni 2012
Die Todesgruppe- Die Wahrheit über Schweden und die Fußball-Europameisterschaft

"Es liegt in deinen Händen" Reklame eines Wettanbieters in einer schwedischen Zeitschrift
Todesgruppe! Todesgruppe! Schallt es einem allenthalben entgegen. Die Europameisterschaft im Fußball beginnt und Deutschland muss in der Todesgruppe ran. Soweit, so schrecklich. Dabei beweisen doch viele Umfragen, dass sich Fußballfans und „Experten“ über das Schicksal der Nationalmannschaft einig sind. Überall zählt man das Land im Süden zum Titelaspiranten. Diese lauten Rufe sind mir daher nicht recht erklärlich.
Ganz anders sieht die Sache für Schweden aus. Damals, im tristen Dezember 2011, loste Fußballlegende Zinédine Zidane das Land aus hiesiger Sicht in eine wirkliche Todesgruppe. Frankreich, England und Gastgeber Ukraine heißen die Gegner in der Gruppe D.
Da ist es nicht verwunderlich, wenn man hier kaum auf jemanden trifft, der von einem Einzug Schwedens ins Viertelfinale ausgeht. Und wer nur ein bisschen mit der Geschichte der Fußball-Turniere vertraut ist, weiß diese Einschätzung sicher zu verstehen.
Natürlich besteht immer ein Funken Hoffnung. Manchmal hört man auch einen Optimisten, der vom Erreichen des Halbfinales oder sogar des Finales spricht. Schließlich spielt ja Zlatan Ibrahimovic in den Reihen der Gelb-Blauen, und der ist immer für eine Überraschung gut. Aber Schweden stellt eine der ältesten Mannschaften der Europameisterschaft, aus Spielern, die vorwiegend in kleineren europäischen Ligen ihr Geld verdienen. Da sucht man dann lange, neben der vermeintlichen Erfahrung der Spieler, nach den Gründen für diesen Optimismus. Aber vielleicht gelang es ja Erik Hamrén, Schwedens neuem Trainer, in den letzten Monaten ein Team zu formen, das nicht einfach nur zum Sterben in der Todesgruppe antritt und das alle „Experten“ überraschen wird.
In dieser gezeichneten Lage, in dieser schwierigen Situation für die Nation, ist das Fußball-Fieber trotzdem ausgebrochen. Natürlich heizen das die Medien und andere Konzerne kräftig an. Aber das ist es nicht nur allein.
Alle zugeteilten Kartenkontingente für die Spiele der Vorrunde sind mit jeweils 8000 Karten schon einige Zeit restlos ausverkauft. Ohne die jeweiligen Stadiongrößen zu berücksichtigen, liegen Schwedens Fans damit unangefochten an der Spitze aller Gastländer. Darüber hinaus rechnet man mit weiteren Fans, die sich über die UEFA Karten besorgt haben oder gar ohne Karten in die Ukraine aufbrechen. Für jemand, der kaum Hoffnung hegt, gar nicht mal so schlecht.
Durch eine glückliche Fügung finden alle Vorrunden-Spiele in Kiew statt. Lästiges Herumreisen in den Weiten des eurasischen Kontinents entfällt. Die Supporter-Organisation Camp Sweden hat auf einer Insel im Dnepr ein großes Stück Land gemietet und baut dort gerade ein Campingdorf mit allem Schnickschnack für bis zu 7000 Anhänger auf. Hier soll während der Europameisterschaft das Zentrum aller fußballverrückten Schweden entstehen. Auch wenn nicht zu erwarten ist, dass das legendäre Erlebnis von Berlin (Schweden gegen Paraguay) aus dem Jahr 2006 getoppt wird, als die gefühlte halbe Bevölkerung Schwedens in der deutschen Hauptstadt abfeierte.
Aber auch hier im Land wird man der Landslaget eifrig folgen. Ebenso wie in Deutschland gehören Public Viewing-Bereiche zur EM in den größeren Städten dazu. Mit dem kleinen Unterschied, dass man hier nicht so viele größere Städte findet. Langsam, aber sicher, versinken die Geschäfte im Gelb-Blauen-Reigen. Verletzungssorgen von Fußballmillionären treten in den Vordergrund. Gesprächsthemen engen sich immer weiter ein.
Doch dank den Bedrohungen der Todesgruppe wird die Stimmung von einer angenehmen Unaufgeregtheit getragen, niemand spricht hier andauernd vom Titel. Das kann manchmal auch seine Vorteile haben.
Ich wünsche allen Fußball-Interessierten spannende und euphorische Wochen! Und allen anderen, tja, ich weiß nicht so recht, vielleicht Ausstehvermögen?
Schwedens Spielplan: Morgen, den 05.Juni , 19:00 Uhr gegen Serbien (letztes Testspiel), am 11.Juni, 20:45 Uhr gegen Gastgeber Ukraine, am 15.Juni, 20:45 Uhr gegen England, am 19.Juni, 20:45 gegen Frankreich.
Mittwoch, 30. Mai 2012
Zähne und Flüge
Beim Anblick einer Reklame für Geschenkgutscheine für einen Zahnarztbesuch fühlte ich gestern nach langer Zeit mal wieder Heimweh nach Deutschland. Dabei liegt die Lösung so nahe.
Die Försäkringskassan trägt für in Schweden gemeldete Personen ihren Teil zur jährlichen zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchung bzw. Behandlungen bei. Das gilt auch und gerade für Zahnarztbesuche im europäischen Ausland. Die Reise in die alte Heimat kann also auch ein praktischen Nutzen haben.
Da die Kosten für die Vorsorgeuntersuchung dort im Allgemeinen niedriger sind, bleibt meist nur noch ein symbolischer Betrag für den Patienten zu entrichten. Zumindestens die Kosten für das Flugticket hat man da beinahe wieder raus.
Alles weitere hier
Mittwoch, 23. Mai 2012
Mittwoch, 16. Mai 2012
Eldgarnsö- Das komprimierte Schweden
Die Schönheit der Stockholm vorgelagerten Landschaft in der Ostsee ist ja kaum ein Geheimnis. Der Schärengarten mit seinen tausenden und zehntausenden Inseln und Felsen zieht daher jedes Jahr mindestens ebenso viele Touristen aus aller Welt an.
Die ansehnliche Lage der Stockholmer Innenstadt auf 14 Inseln ist ebenfalls allgemein bekannt, macht vielleicht sogar ihren hauptsächlichen Reiz aus und zieht Massen von Besuchern an.
Die in westliche Richtung anschließende Landschaft jedoch, der Mälarsee mit seinen unzähligen Inseln und seinen versteckten Buchten, immerhin Schwedens drittgrößter See, ist vielen Besuchern unserer Gegend immer noch kein Begriff und wird in deren Urlaubsplanungen daher auch nicht allzu oft berücksichtigt.
Alte Mühle auf Eldgarnsö
Höchstens noch Schloß Gripsholm in Mariefred an der Südseite des Sees, Birka, Überbleibsel der Wikingerzeit oder das Domizil des Königshauses auf der Insel Drottningholm lockt den einen oder anderen hierher. Aber damit hat es sich schon mit den touristischen Sammelpunkten erledigt.
Das muss ja nicht schlecht sein.
So bleibt es schön ruhig und man findet leicht eine einsame und erholsame Stelle relativ in Stadtnähe, ganz im Gegensatz zu so mancher Insel im Schärengarten. Andererseits ist es doch ziemlich schade für den Besucher unserer Gegend. Auf diese Weise entgeht ihm doch die eine oder andere landschaftliche Perle.
Nehmen wir als Beispiel die Insel Eldgarnsö, die zum Glück als Naturreservat geschützt ist. Etwa 40 Kilometer von der Innenstadt gelegen und heutzutage über einem Damm mit der größeren Insel Färingsö verbunden, bietet dieses Kleinod ein recht gutes Abbild der schwedischen Landschaft im Kleinen.
Inselbewohner
Im Osten und Norden der Insel prägt Edellaubholzwald die Natur. Ulmen, Linden, Eschen usw. bilden eine herrliche Abwechslung zum gewohnten Anblick eines Waldes auf diesen Breitengraden. Am Boden wachsen unzählige Blumen und auffällig viele Beerenarten; Walderdbeere, Himbeere, Johannisbeere. Buntspechte machen ungeniert auf sich aufmerksam und auch viele Singvögel.
Frühlings-Platterbse
Nach einer Weile versumpft die Gegend. Hier stehen noch viele Laubbäume, auch Birken tauchen auf. Stockenten nutzen den Schutz des Sumpfes und brüten hier. Es riecht muffig und im Sommer muss man wohl mit Oktilliarden von Mücken rechnen.
Zum Westen hin schließt sich dann Nadelwald an. Hier wirkt alles düster. Die Felsen sind mit dichtem Moos bewachsen und die Natur zeigt sich hier weniger vielfältig. Das Ufer wirkt schroff mit seinen Felsen zum Wasser hin, und auch jetzt im Hochfrühling sieht man wenig Gewächs am Boden.
Hier ist es ziemlich still und unwillkürlich muss man an Hänsel und Gretel denken.
Mückenwiege
Ganz anders nach einem Schwenk nach Süden. Hier liegt eine schöne Bucht mit Mischwald und angenehmen Zugang zum Wasser. Einige Pontons bieten Anlegemöglichkeiten für Leute, die über den Wasserweg kommen. Bei unserem Besuch hatten genau zwei Segelboote festgemacht. Mit einem Plumpsklo und einem Grillplatz existiert an dieser Stelle die einzige touristische Infrastruktur im Naturreservat.
Bucht mit Plumpsklo
Im Süden und der Mitte der Insel überwiegt dann landwirtschaftliches Nutzland in Form von Kuhweiden. Doch scheinen Kühe recht selten zu sein, denn auf den meisten Weiden bildet der Löwenzahn einen dichten gelben Teppich. Auffällig sind hier die mächtigen Eichen, von denen einige sicher schon von den Wikingern angesehen wurden.
Mächtig gewaltig
Diese schöne Insel kann man also auf einem 6 Kilometer langen Weg umrunden. An einigen Stellen stellt der Weg jedoch nur einen schmalen Pfad dar. Im Sommer wird sich die Orientierung an diesen Stellen sicherlich schwierig gestalten. Aber mit orangefarbenen Wegmarkierungen versucht man da abzuhelfen.
Nur im Süden ist der Weg schön breit
Vielleicht lockt sie ja dieses Schweden im Kleinen und zumindest als Besucher der Stadt Stockholm bietet sich hier die Möglichkeit viel vom Land zu sehen ohne stunden- oder sogar tagelang herumfahren zu müssen.
Abschluss eines erfolgreichen Ausflugs
Freitag, 13. April 2012
Süßigkeiten und Dialektik
Die Ausmaße des Unglücks lassen sich heutzutage nicht mehr recht nachvollziehen. Statistische Werte ließen sich, vielleicht aus gutem Grund, nicht mehr ermitteln. Doch muss der allgemeine Zustand schwedischer Zähne in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen besorgniserregenden Zustand erreicht haben. Denn Anfang der Fünfziger entschieden sich die Zahnärzte des Landes den Godisdag (Süßigkeitentag) zu propagieren, um so dem Verfall der Volkszähne Einhalt zu gebieten. Forschungen hatten nämlich ergeben, dass der übermäßige und unkontrollierte Konsum von Süßigkeiten die Ursache dafür waren.
Die Eltern wurden damals aufgefordert, ihren Kindern nur noch an einem Tag der Woche das Essen dieser Süßigkeiten zu gestatten. Und damit kein unübersichtliches Chaos entstehen konnte, erkor man praktischerweise den Sonnabend/Samstag zu diesem Tag.

"Normales" Angebot an Süßigkeiten in einem Einkaufsmarkt
Die Aktion wurde ein voller Erfolg. Zwar naschten die Kinder weiterhin ihre Godis, doch nur noch an dem dafür vorgesehenen Wochentag. Generationen von Schweden sollten in der Folge damit aufwachsen, am Sonnabendmorgen in den nächst gelegenem Einkaufsmarkt zu pilgern, sich auf landestypischer Weise lose Süßigkeiten mit einer Schöpfkelle in eine Papiertüte zu schaufeln und sich dermaßen zu belohnen. Es entstand eine regelrechte Industrie bzw. Infrastruktur für Süßigkeiten. Jede Tankstelle, jeder Supermarkt, jeder Kiosk verkaufte nun lose Süßigkeiten. Ein ganz eigenes Merkmal Schwedens wurde damit geboren. Das Beste daran war jedoch, es funktionierte. Die Zahnhygiene verbesserte sich tatsächlich so wie angedacht.
Doch Zeiten ändern sich nun mal.
Vielleicht haben die Leute im 21. Jahrhundert einfach weniger Respekt vor den weisen Worten der Zahnärzte. Vielleicht sind die Zahnärzte heute zu teuer, um ihnen Seriosität zugestehen zu können.
Sicher ist jedoch, der Konsum von Dingen ist zum Selbstzweck geworden. Sicher ist auch, die Preise für den Süßkram sind um einiges gefallen und die Schweden haben grundsätzlich mehr Geld zur Verfügung.
Selbstverständlich werben die Süßigkeitenhersteller lieber für ihre Produkte, als über die Gefahren aufzuklären. Die Organisation der Zahnärzte (Folktandvård) kann dem nicht viel mehr entgegen setzen, als bunte Broschüren in den Kliniken und Praxen. Ganz allgemein gilt, die Menschen scheinen ihre Prioritäten anders zu setzen, ob nun wegen fehlender Bildung oder an Mangel Erziehung oder aus ganz anderen Gründen, das mag jeder für sich entscheiden.
Die Voraussetzungen veränderten sich jedenfalls und der ursprüngliche Gedanke hinter dem Godisdag, den Konsum von Süßigkeiten in geordnete Bahnen zu lenken, hat sich in sein Gegenteil verkehrt.
Damals belohnte sich man einmal die Woche. Heute nehmen viele Schweden den „offiziell“ anerkannten Süßigkeitentag als einen persönlichen Freibrief für den hemmungslosen Konsum von Süßigkeiten von Sonnabend ganz früh bis spätabends, berichtet unsere engagiert wirkende Kinderzahnärztin beim jährlichen Kontrollbesuch. Schließlich ist ja Süßigkeitentag. Da darf man das ja. Das weiß ja jeder. Bilden sich die Leute jedenfalls ein.
Dabei haben sie schon an den anderen Wochentagen fleißig Cola und süßen Saft und Chips und Schokolade und natürlich die losen Süßigkeiten konsumiert, fährt die Zahnärztin fort zu erklären. Schweden ist Weltmeister beim Verbrauch von diesen lose verkauften Süßigkeiten. Jeder Schwede isst tatsächlich durchschnittlich 18 Kilo von diesem Zeug in einem Jahr. Und dann kommt der entscheidende Satz: Der Zustand der Zähne hat sich überall im Land dramatisch verschlechtert.
Beinahe flehentlich bittet sie uns, unserem Kind wirklich nur am Sonnabend die Leckereien zu zugestehen und dann auch nur im Maßen. Und wenn, dann lieber dunkle Schokolade als klebrige Bonbons, lieber Wasser statt Saft. Wir nehmen diese ausgeklügelten Abstufungen selbstverständlich zur Kenntnis und hofften, wir konnten uns das alles merken. Schließlich wollen wir gute Eltern sein.
Den beeindruckensten Süßigkeitenladen in Stockholm findet man auf dem U-Bahnhof Hötorget. Hier hat man die Süßigkeiten in den Fußboden eingearbeitet. Das Angebot ist lecker und angenehm vielfältig.
Montag, 20. Februar 2012
Auswanderung
Die Anzahl der Schweden, die ihr Glück im Ausland suchen, ist im Jahr 2011 mit 51179 Personen auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Hintenan eine Liste der Zielländer. Abgesehen von diesem Rekord ist die Gesamtbevölkerung Schwedens trotzdem um 67285 Menschen weiter angewachsen. Auf nun schon beinahe 9,5 Millionen.
1. Norwegen 9.753 Personen
2. Dänemark 4.856
3. Unbekanntes Land 3.719*
4. Großbritannien und Nordirland 3.617
5. Finnland 2.758
6. Deutschland 2.203
7. China 1.787
8. Polen 1.232
9. Spanien 1.144
10. Frankreich 921
11. Australien 919
12. Indien 864
13. Irak 839
14. Schweiz 712
15. Thailand 636
16. Niederlande 581
17. Italien 488
18. Kanada 469
19. Rumänien 425
20. Island 419
Quelle: Statistisches Zentralbüro (SCB) /Dagens Nyheter
*Auswanderer sind nicht zu Angabe des Ziellands verpflichtet
Freitag, 20. Januar 2012
Bekanntmachung
Als Ergänzung zu den heutigen bundesweiten Nachrichten möchte ich bekanntgeben, dass ich kein politisches Amt in Deutschland anstrebe. Beschwerden aufgrund enttäuschter Erwartungen erwarte ich mit einiger Freude. Eventuell vorher geäußerte Gegenteiligkeiten nehme ich hiermit ohne Gewissensbisse zurück. Auch als Vorsitzender der schwedischen Sozialdemokraten stehe ich trotz anders lautender Gerüchte nicht zur Verfügung. Soll sich der Juholt doch selbst um das Chaos kümmern.
Mit freundlichen Grüßen
M.Kenner
PS: Morgen früh gehe ich unten am See angeln, denn einen Angelschein will hier niemand sehen.
Mittwoch, 18. Januar 2012
Achtung! Reklame!
Man bekommt ja gelegentlich merkwürdige und eigenartige Reklame durch den Briefschlitz geworfen (Ich gestehe, ich habe keinen KEINE-WERBUNG-Aufkleber an der Tür), aber der oben gezeigte Flyer schießt wohl den Vogel ab. Ich suche gerade einen passenden Bilderrahmen, denn dieser Flyer, eher wohl eine Art Visitenkarte, sollte keinesfalls achtlos in der Papiertonne landen. Damit die Reklame auch beim verehrten Leser dieses Blogs seine Wirkung entfalten kann, belasse ich den sinngemäß übersetzten Text ohne Kommentar.
HERR SORIBA
Weissagung Wegführung Marabout
Geboren mit geistiger Macht. Ich bin in der ganzen Welt bekannt.
Ich kann alle Eure Probleme lösen, zum Beispiel Liebe, Gesundheit,
Familienprobleme, Geschäft, juristische Fragen, finanzielle Transaktionen,
Gewichtsminderung. Du erfährst, wie Du Dich selbst und Deine Familie vor Feinden schützen kannst und wie Du Deine Nahen und Lieben zurück in Dein Leben bekommst.
Garantiertes Resultat.
Spreche Englisch und Schwedisch.
Besuchsadresse U-Bahn-Station Husby
Telefonnummern: s.o.
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