Mittwoch, 27. Juni 2012
Das Wetterdilemma
Die schlechte Nachricht zuerst. Seit Beginn der Messung und der Aufzeichnung der lokalen Niederschlagsmenge (1786) hat es in Stockholm im sechsten Monat des Jahres noch nicht so viel geregnet. Bisher fiel dreimal so viel Regen vom Himmel, wie in einem gewöhnlichen Juni.
Auch die Temperaturen lassen deutlich zu wünschen übrig. In den letzten vier Wochen wurden wir mit keinem einzigen meteorologischen Sommertag (mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 25 ° Celsius) beglückt. Schon seit über 20 Jahren gab es nicht mehr solche niedrigen Durchschnittstemperaturen in einem Juni. Von einem richtigen Sommer nirgendwo eine Spur.
Das allein tut weh, führt aber zu allen möglichen und unangenehmen Konsequenzen. Die Seen der Umgebung sind beispielsweise bis zur Oberkante und darüber hinaus vollgelaufen, aber das Wasser für die Jahreszeit viel zu kalt. Vom gemütlichen Baden oder gar ausgiebigen Schwimmübungen konnten wir bisher nur träumen.
Die Preise für kurzfristige Charterreisen in den ausländischen Süden steigen und steigen. Offiziell heißt es, wegen der übergroßen Nachfrage. Doch kann man sich auch gut vorstellen, dass die Reisekonzerne gern die eine oder andere Krone einfach mal „mitnehmen“.
Die Frage, die man sich hier stellt, lautet also: abwarten und doch noch auf das Eintreffen des Sommers hoffen oder aber für viel Geld fliehen und sich an einem beliebigen Strand des Mittelmeers sonnen?
Und damit sind wir schon bei der guten Nachricht. Die Urlaubszeit steht an. Ganz Schweden wird in den nächsten Wochen abgeschlossen. Krankenhäuser, Polizeistationen und Autofabriken schließen ihre Pforten, ebenso wie manche Zeitungsredaktionen und viele kommunale Einrichtungen. Ironie des Schicksals, auch die meisten Schwimmhallen empfangen keine Besucher.
Angeblich müssten jetzt nur noch arme Studenten und geldgeile Schüler arbeiten. Alle anderen liegen in der Sonne oder ja, eben nicht.
Zu mindestens gibt es bei dieser Kälte bisher weit und breit keine Anzeichen von der sonst üblichen Algenblüte in der Ostsee. Aber was nutzt das, wenn beim Baden Körperteile abfrieren?
Ein provokatives Sprichwort, das sicher südlich der Ostsee von Ignoranten erfunden wurde, lautet ja: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Irgendwo im Schrank müsste doch noch ein Neoprenanzug herum liegen….
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