Dienstag, 17. Mai 2011
Die letzte Invasion oder Über die finnische Art des Feierns
Der schönste Weg nach Inari geht über Nordschweden, über Haparanda.
-Zitat aus dem Film „Zugvögel…Einmal nach Inari“-
Da staunten die Einheimischen wohl nicht schlecht. Auf einmal fuhren und zogen tausende Finnen durchs beschauliche Haparanda in Nordschweden und brüllten sich heiser. So oder so ähnlich musste es auch ausgesehen haben, als vor bald 200 Jahren das letzte Mal eine ausländische Macht in Schweden einfiel.
Aber was war am Sonntag geschehen? Die finnische Nationalmannschaft im Eishockey hatte gerade ihr schwedisches Pendant im Finale der Weltmeisterschaft besiegt. Es war aber nicht nur einfach ein Sieg, das 6:1 war eine noch nie dagewesene Demütigung in einem WM-Finale. Die Außergewöhnlichkeit des Ereignisses ließ dann wohl die Tausenden im Nachbarland übermütig werden.
Wer schon einmal im menschenarmen Lappland weilte, fragt sich jetzt sicher, woher die tausenden Finnen herbeiströmten? In Anbetracht des Fehlens genauerer Schätzungen, bleibt uns nichts anderes übrig, als der hiesigen Presse, die sich wohl auf den haparandischen Polizeichef beruft, zu glauben.
Und sie führten sich nicht nett auf, die tausenden Finnen. Sie hielten ihre nackten Hinterteile den Einheimischen entgegen, verhöhnten die Schweden in Spottgesängen und hissten die Blaukreuzflagge an verschiedenen Fahnenstangen der Stadt. An der Shelltankstelle zu Haparanda soll es sogar zu Verbrennungen der schwedischen Flagge gekommen sein. Später brachen auch noch Prügeleien zwischen Einheimischen und Invasoren aus.
Trotz der eiligst herbei gerufenen Polizeiverstärkungen aus Kalix (50 KM entfernt), Luleå (130 KM) und Boden (132 KM) gelang es den vereinten Einsatzkräften nicht, die Invasoren zurückzudrängen. Bis in die Morgenstunden setzten sich Ruhestörung und Vandalismus fort. Erst dann zogen sich die Finnen auf ihre Seite der Grenze zurück. Schließlich war der Montag wieder Arbeitstag.
Die schwedische Volksseele kocht. Das Gebaren der feierwütigen Finnen halten viele für ehrverletzend. Einige sind so empört, dass sie nun zu Sanktionen finnischer Waren aufrufen. Wobei nicht ganz ersichtlich ist, welche Produkte Suomis in der Praxis gemeint sein könnten und wie bei solchen Ereignissen üblich, melden sich nun auch manche Bekloppte zu Wort und glauben sich mit der Beleidigung aller Finnen schadlos halten zu können.
Doch gibt es auch Ermutigendes zu berichten. Soweit man weiß, wurde der finnische Botschafter bisher nicht zum Rapport bei der schwedischen Regierung einbestellt. Sollte sich die Lage aber weiter verschärfen, beispielsweise Grenzkontrollen wieder eingeführt werden, halte ich sie selbstverständlich auf dem Laufenden.
Max Kenner, Stockholm
PS: Beste Grüße gehen nach Norwegen, wo man heute seinen Nationalfeiertag feiert.
Mittwoch, 4. Mai 2011
Alles Müll!
Der See unterm Balkon zeigt sich nun endlich in alter Pracht. Seit ein paar Wochen ist das Eis aus allen seinen Winkeln verschwunden und die Wellen schwappen wieder mit der lange vermissten Regelmäßigkeit gegen den Strand. Ganz „bebadebar“ ist er noch nicht, der Mälarsee, aber mehr als ein oder zwei oder drei Wochen bekommt er nicht mehr, dann ist er fällig. Versprochen!
Das Verschwinden des Eises hat jedoch nicht nur angenehme Seiten. An den Ufern des Sees sammelt sich zurzeit der Müll.
Dosen, Plastiktüten, Plasteflaschen und viele andere Dinge, die nicht so leicht untergehen, verschandeln die Landschaft. Auch im Wald müssen sich einige Zeitgenossen übermäßig ausgetobt haben. Zwischen Frühlingsblumen stolpert man überraschend häufig über Metallteile oder verfängt sich in den bekannten Systembolagettüten. Irgendwie passt der Anblick der Überreste der Zivilisation nicht zusammen mit dem Anblick der aufwachenden Natur und dem blauen Himmel.
Wie gut, dass die Stiftung „Håll Sverige Rent” (Halte Schweden sauber!) nun zu den nationalen Müllsammeltagen aufgerufen hat. Nicht nur Schulklassen und Kindergartengruppen sollen in ihren jeweiligen Kommunen den Dreck beseitigen.
Der Aufruf gilt ausdrücklich auch den Erwachsenen.
Nicht jeder wird sich angesprochen fühlen. Aber im letzten Jahr sollen sich immerhin 400 000 Schweden an der Vorgängeraktion beteiligt haben. Viele Firmen und Vereine unterstützen die Aktion tatkräftig und mit Werbung. In den letzten Wochen trafen wir tatsächlich mehrfach Leute im Wald, die fleißig Müll aufsammelten. Es scheint also eine Aktion mit gewissem Gewicht zu sein. Die Säcke dafür gibt es Übrigends kostenlos von der Kommune.
Vor ein paar Tagen erzählte uns dann unser Kind, dass die ganze Meute aus dem Kindergarten zu den Wiesen am Ufer spazierte um ihren Teil für ein sauberes Schweden beizutragen, in dem sie eine Stunde lang jeden Dreck auflasen. Es klärte uns auf, wie wichtig es wäre, den Müll stets in die Mülltonne zu werfen und nicht auf die Wiese, damit sich die Tiere und die Blumen wohlfühlten. Wir konnten dem natürlich nur zustimmen und freuten uns über die umweltbewusste Erziehung im Kindergarten.
Am Nachmittag saßen wir danach gemeinsam auf einem Steg und sahen den ersten Booten des Jahres beim Umherschippern zu. Die Sonne brannte auf der Haut, der Wind war angenehm mild.
Auf einem besonders schicken Motorboot waren zwei ältere Herren anscheinend gerade mit dem Frühlingsputz beschäftigt. Mit viel Elan warfen sie Kaffeebecher und Bierdosen über Bord. Als sie schon lange hinter einer Landspitze verschwunden waren, trieb ihr Müll immer noch vor uns herum.
Im Kind rumorte es erst und dann zeigte es sich empört über die Erwachsenen, die nicht an die Tiere dachten. Uns fehlten die Worte, bis wir erklärten, dass die Männer später bestimmt eine Strafe von der Polizei erhalten würden. Damit retteten wir zumindest vorerst das Antimüllkonzept und ernteten vom Engelchen ein energisches Kopfnicken.
Ich bin zutiefst überzeugt, die nächste Generation wird es sicher noch besser machen.
Abonnieren
Posts (Atom)