Dienstag, 19. November 2013
Sprachlos im November
Nach einer langen Pause habe ich mich heute endlich mal wieder aufgerafft, an dieser Stelle über Schweden zu schreiben. Bisher handelte es sich um einen anstrengenden Monat und der folgende Text entstand daher irgendwie zwangsläufig.
November in Stockholm bedeutet immer grauer Himmel, kalte Winde und missmutige und müde Mitbürger. Das macht Spaß, daran wächst man. Doch manchmal spitzt sich die Lage dermaßen zu, dass der Drang zum Ausstoßen eines Schreis überhandnimmt, nur das einem schon die Kraft dazu fehlt.
Schon zum Anfang des Monats schlug eine Nachricht ein, wie eine Bombe. Schwedens Finanzminister Anders Borg trat im Rahmen einer Veranstaltung zur Rolle der Banken vor die Presse und zwar ohne seinen Pferdeschwanz. Den hatte er sich tatsächlich vom Friseur abschneiden lassen.
Danach ging es richtig los. Überall überschlugen sich die Stimmen, geschlossen gab man sich dem Wahnsinn hin. Der Finanzminister hat keinen Pferdeschwanz mehr! In den Zeitungen und auch bei Facebook und Twitter kannte man kein Halten mehr. Der Finanzminister hat keinen Pferdeschwanz mehr! Am Abend folgte die Krönung der Geschichte. Die Hauptnachrichten auf SVT 1, von der Bedeutung her mit der deutschen Tagesschau zu vergleichen, berichteten mit wichtigen Worten vom Vorgang. Der Finanzminister hat keinen Pferdeschwanz mehr! Dann folgte ein Interview mit dem Finanzminister, in dem er milde lächelnd Stellung zum abgeschnittenen Pferdeschwanz nahm.
Wie praktisch, dass niemand über wichtige Themen redete, wie beispielsweise über das diesjährige Haushaltsdefizit in Höhe von 168 Milliarden schwedischer Kronen, das in dieser Höhe für Schweden eine ganz neue Erfahrung ist.
Schweden schlittert gerade langsam in eine Rezession, wenn man den Wirtschaftsexperten glauben kann.
Das Tafelsilber des Landes wurde in den letzten Jahren fleißig verkauft. Viele Bereiche des Staates haben sich an den Rand des Zusammenbruchs gespart. Stichwort schwedisches Gesundheitssystem. Doch ein Staat, der an dieser schwierigen Stelle einer Konjunktur keine Reserven hat, besitzt kein ausreichendes Werkzeug mehr, um gegen die Wirtschaftsflaute energisch ankämpfen zu können.
Gern hätte ich Anders Borgs Meinung dazu vernommen.
Aber der Finanzminister hat doch keinen Pferdeschwanz mehr! So werden die Politiker zu Menschen wie du und ich, und das Leben entpolitisiert. Aber das kennt man ja auch aus anderen Ländern.
Am Tag darauf druckten einige "Qualitätszeitungen" tatsächlich ein paar Meinungen des Volkes zum Thema Pferdeschwanz ab. Und man fragt sich heute, wohin diese Hysterie noch geführt hätte, wäre nicht eine mutige sechzigjährige Frau auf die Idee gekommen, dem Chef der faschistischen Sverigedemokraten (Schwedendemokraten), Jimmy Åkesson, bei der Vorstellung seiner Biographie eine Torte (eine Prinzessintorte-eine schwedische Spezialität!!!) ins Gesicht zu knallen.
Auf diese Weise tat sie ihre persönliche Meinung zu Rassismus und Fremdenhass kund und erwischte den großen Führer damit irgendwie auf dem falschen Fuß. Denn der flüchtete trotz dem sofortigen Einsatz der Leibwächter verschreckt in ein Polizeiauto, wo er sich dann vor der kleinen Dame versteckte.
Dank wackliger Handyaufnahmen konnte ganz Schweden teilhaben am Gesichtsverlust des sonst so um Seriosität bemühten selbsternannten Retter Schwedens.
Natürlich sprangen die Medien auf den Zug auf. Das Fernsehen zeigte die Aufnahmen immer wieder, die Zeitungen berichteten andauernd . Laut Umfragen können die Sverigedemokraten bei der Wahl im nächsten Jahr bis zu 15 % der Stimmen rechnen. Die Gefahr ist groß, dass die Partei zum Zünglein an der Waage wird, wie man so schön auf Deutsch sagt, also eine viel zu mächtige Rolle in der schwedischen Politik einnehmen kann. Ein strauchelnder Führer gibt da natürlich kein gutes Bild ab.
Da schien wohl eine aktive Antwort angebracht. Tags darauf hatte er sich wieder gefangen und er hielt eine gut besuchte Pressekonferenz ab. Jimmy Åkesson genoss sichtlich die Aufmerksamkeit, die ihm die Pressevertreter entgegenbrachten.
Und der, der sonst den Menschen mit ausländischen Wurzeln Würde und Recht abspricht, beklagte nun die Respektlosigkeit der älteren Dame und bezeichnete ihren Tortenwurf als Bedrohung der Demokratie. Was einige seiner Anhänger dann als Aufforderung verstanden, der Dame mit dem Tod zu drohen.
Leider kritisierten die anderen Parteiführer und auch der allergrößte Teil des Journalistenchors dann nur den Torteneinsatz, manche Politiker forderten gar eine Strafverschärfung bei Gewalt gegen Politiker. Polizeisprecher verteidigten den Einsatz der Kollegen und versprachen gleichzeitig für die Zukunft besseren Schutz vor Torten. Während andere Experten den Tortenwurf historisch einordneten.
Und schon wieder sprach niemand über das eigentliche Problem.
Donnerstag, 25. April 2013
Zeichen der Zeit
Heute ist der erste Tag, nach gefühlten zehn Jahren, an dem der Mälarsee vollständig eisfrei ist.
Und während vor einem Monat in Stockholms Innenstadt noch Rekord-Niedrigwasser gemessen wurde, ist er nun wegen dem Schmelzwasser bis zur Oberkante voll.
Das Eis hat in diesem Winter ganz schön gewütet. An vielen Stellen hat sich die Uferkante um einige Meter verschoben, Bäume wurden umgedrückt, Stege abrasiert. Aber das ist alles halb so schlimm, denn jetzt ist das Eis weggeschmolzen, jetzt kommt die schöne Jahreszeit.
Heute liefen schon einige Schweden mit kurzen Hosen durch die Gegend. Für mich ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich die schwedische Mentalität immer noch nicht verinnerlicht habe, schließlich zeigt das Thermometer 12° im Schatten an (O.K., ich gebe es zu, in der Sonne ist es etwas wärmer).
Einen "richtigen" Schweden scheint das nicht zu stören. Es geht wohl vor allen Dingen um das Gefühl. Das Gefühl, das nun der Sommer da ist.
Was spielt es da für eine Rolle, dass die Temperaturen nicht ganz mithalten?
Aber genug der guten Nachrichten! Bevor die Hochgefühle überhand nehmen, muss ich unbedingt noch zwei Meldungen aus den schwedischen Medien wiedergeben.
Martin Lorentzon, seines Zeichen Gründer von Spotify, hat 60 000 000 Kronen an Steuern gespart, in dem er schon 2005 auf Zypern eine Briefkastenfirma gründete, der er dann sein Aktienportfolio überschrieben hat.
Da kann das schwedische Finanzamt aber nichts machen.
Das hat alles seine gesetzliche Richtigkeit und Herr Lorentzon ist weiterhin ehrenhaftes Mitglied der schwedischen Gesellschaft.
Das ist selbstverständlich auch Stefan Löfven. Der Arbeitersohn, ehemaliger Schweißer und nun neuer Parteichef der schwedischen Sozialdemokraten wird im Juni in London, wie die Zeitung Svenska Dagbladet meldete, auf Einladung des Großinvestors Jacob Wallenberg an der Bilderberg-Konferenz teilnehmen.
Die mythenumwobene und heimlichtuerische Bilderberg-Konferenz ist das jährliche stattfindene Treffen von einflußreichen Leuten aus Wirtschaft, Politik und Adel, das viele Menschen zu Kritik, aber auch zu Verschwörungstheorien anregt. In informeller Atmosphäre tauschen sich die Teilnehmer aus und sprechen über Themen, die der Rest der Menschheit erst im Nachhinein erfährt.
Stefan Löfven wird also von Herrn Wallenberg mit der globalen Elite bekanntgemacht werden.
Wie die Zeitung weiter meldete, reiste schon im Jahr 2006 der damalige Oppositionsführer und Oberhaupt der Moderaten-Partei Herr Fredrik Reinfeldt auf Einladung von Wallenberg mit deren Privatflugzeug zur damaligen Bilderberg-Konferenz. Kurz darauf gewann Reinfeldt die Wahl und wurde Schwedens neuer Ministerpräsident.
Einige wollen nun die Zeichen der Zeit erkannt haben und meinen, das bedeutete wohl, bei der kommenden Wahl werden die Sozialdemokraten gewinnen und Löfven der neue Ministerpräsident Schwedens.
Ich würde mich natürlich nicht so weit aus dem Fenster lehnen und tue diese Übereinstimmung nur als Zufall ab.
Der passende Soundtrack zur Zeit
Dienstag, 23. April 2013
Weltbuchtag
Nun ist er endlich da, der Weltbuchtag! Warum ausgerechnet am 23.April? Heute ist der Todestag von Miguel de Cervantes. Berühmt durch sein Don Quijote, aber auch Autor von vielen anderen Büchern. Und Zufall der Geschichte, auch William Shakespeare ist an einem 23.April verstorben.
Doch der eigentliche Grund warum die Unesco ausgerechnet den heutigen Tag dazu auserkoren hat, ist die alte katalanische Tradition am Tag des Heiligen Georg (Sant Jordi) seinem Liebsten ein Buch zu schenken, der Liebste verschenkt im Gegenzug eine Rose an seine Angebetete.
In Zeiten der Gleichberechtigung plädiere ich nun voller Mut dafür, nur Bücher zu verschenken. Die armen Blumen sollten doch am Leben bleiben und auch eine Frau immer genug Bücher ihr eigen nennen.
Anläßlich dieses Tages verlose ich weiterhin ein Exemplar meines Romans "Die Messiasin". In dem gehts auch um Gleichberechtigung und um die Schwierigkeiten bei der Überwindung von überlebten Angewohnheiten.
Schickt bei Interesse eine Mail an max(punkt)kenner(ett)yahoo(punkt)de!!!!!!!! Bis 24 Uhr bleibt Euch noch Zeit.
Mittwoch, 10. April 2013
Frühling!
Behaupte noch einer, die Deutschen machten sich überall in Europa unbeliebt.
Die deutsche Wärme hält Einzug, und zwar in Schweden, wie die Zeitung Aftonbladet heute titelt.
Mittwoch, 20. Februar 2013
Verlosung eines Exemplars von "DIE MESSIASIN"

http://www.facebook.com/BloggerSchenkenLesefreude
Für Freunde des Buches gibt es keinen schöneren Tag (von Weihnachten vielleicht abgesehen). Gern beteilige auch ich mich an der obigen Aktion zum Weltbuchtag und verlose ein Exemplar meines Romans "Die Messiasin". Schickt einfach eine Mail an max(Punkt]kenner(ett}yahoo(Punkt)de (ACHTUNG! Mailanschrift wurde geändert) ! Am 23.04.2013 werde ich den Gewinner dann auslosen.
Wer nicht mehr so lange warten kann, sei auf diese Seite verwiesen. Dort ist das Buch bereits jetzt zu bestellen. Viel Spaß!
Dienstag, 12. Februar 2013
Ein schwedisches Sommermärchen? Die UEFA Fußball-Europameisterschaft der Frauen in Schweden
Stellen Sie sich einmal kurz vor, es ist Fußball-Europameisterschaft und niemand geht hin. Unvorstellbar? Nicht ganz.
Wenn am 10.Juli im südschwedischen Halmstad das erste Spiel der UEFA-Frauen EURO 2013 zwischen Italien und Finnland angepfiffen wird, droht dieses erste Vorrundenmatch leider vor leerer Kulisse ausgetragen zu werden. Und nichts nur dieses.
Am 14.Februar beginnt nun endlich der Vorverkauf der Tickets. Je nach Kategorie verlangen die Veranstalter zwischen 100,- und 200,- schwedische Kronen (etwa 12,- bis 24,- EUR). Kinder bis 16 Jahre bezahlen nur 50,- Kronen. Für ausländische Gäste gibt es auch noch einen Rabatt, wenn sie für alle drei Vorrundenspiele ihrer eigenen Mannschaft Eintrittskarten kaufen. Das klingt für Fußballspiele ungewöhnlich preiswert.
In den hiesigen Medien gibt man sich alle Mühe der Welt, einen Erfolg der Veranstaltung herbeizureden. Es wurden drei Turnierbotschafter ernannt, die bei jeder Gelegenheit zu Wort kommen und Pia Sundhage, gerade eben zur besten Trainerin der Frauenfußballwelt gewählt und ihres Zeichens singende Übungsleiterin der Nationalmannschaft, fordert überall und stets die Unterstützung der schwedischen Bevölkerung ein.
Doch hilft das alles nicht, wenn kein richtiges Interesse besteht. Der Zuschauerschnitt in der Damallsvenskan (der schwedischen Fußballliga der Frauen) kommt nicht recht vom Fleck, oder sinkt sogar. Obwohl der schwedische Frauenfußball überall in der Welt einen guten Ruf besitzt. Einige hundert, manchmal etwas über eintausend Zuschauer verlieren sich gewöhlicherweise im weiten Rund der Stadien bei diesen Spielen.
Man hat die Spielorte absichtlich in den Süden gelegt. Dort leben mehr Menschen, die Anfahrtswege
zum Kontinent sind kurz, oder besser gesagt kürzer. Spielorte sind Växjö, Halmstad, Kalmar, Göteborg, Linköping und Norrköping. Der ganze Turniertross findet dann erst am 28. Juli zum Finale seinen Weg in die Hauptstadt nach Stockholm.
Trotzdem rechnen viele Experten (leise und verhalten, schließlich möchte niemand in den Verdacht von fehlenden Patriotismus geraten), dass die Stadien leer bleiben werden. Euphorie gar, wird man nach deren Meinung nirgends antreffen.
Im Juli macht Schweden Pause. Der, der kann, verreist. Ob er das ausgerechnet in die oben genannten Städte tut, ist nicht unbedingt zu erwarten. Deren sommerliche Einwohnerzahl wird jedenfalls kaum ausreichen, die Stadien zu füllen, wenn denn dann überhaupt Interesse am Frauenfußball besteht.
Natürlich kann man von einem Land wie Schweden, das vollständig andere Bedingungen besitzt, als ein Land auf dem Kontinent, nicht automatisch ein ähnlich beschwingtes Ereignis, wie die Frauenfußballweltmeisterschaft 2011 erwarten. Ein kleines bisschen Aufregung und Leidenschaft gehört jedoch bei einem solchen Sportereignis unbedingt dazu, auch wenn die Spiele in der schwedischen Provinz ausgetragen werden.
Die deutsche Mannschaft startet am 11.Juli in Växjö gegen die Niederlande. Bevor sie dort am 14.Juli auf Island trifft. Växjö ist übrigends ideal gelegen für den normalen deutschen Schwedenurlauber (Seen, Sumpf und Wälder). Warum nicht Fußball und Urlaub miteinander verbinden? Am 17. Juli folgt noch das Spiel gegen Norwegen in Kalmar, dem Tor nach Öland, einer weiteren berühmten und sehr schönen Urlaubsgegend.
Und danach gehts schon um alles oder nichts.
Schwedens erklärtes Ziel ist der Europameistertitel, der aber seit 1995 (!) stets von Deutschlands Frauen gewonnen wurde. Diese Kampfansage verspricht Spannung. Jetzt fehlt nur noch die passende Stimmung in den Stadien. Vielleicht bringen die ja die ausländischen Gäste mit. Also bis bald bei der UEFA-Frauen EURO 2013 in Schweden!
Samstag, 19. Januar 2013
Der Mälarsee im Winter
Nun ist er doch noch zugefroren, der Mälarsee. Das erste Skandinavienhoch seit etlichen Monaten hat eine eisige Kälte im Schlepptau mitgebracht, und die lange herbei gesehnte Sonne.
Über dem See liegt dichter Nebel.
Und in Ufernähe zeigt sich ein seltsames Schauspiel.
Dort, wo Nebel auf Sonne trifft, bricht das Licht...
...und Eiskristalle und Schneeflocken glitzern wegen der durchkommenden Sonnenstrahlen.
Vom Mälarsee selbst, sieht man nicht mehr viel.
Bisher traut sich noch kein Mensch aufs Eis.
Und so sieht das dann von oben aus.
Mittwoch, 9. Januar 2013
In eigener Sache- Der Roman "Die Messiasin"
Mit Freude und einer gehörigen Portion Stolz möchte ich heute auf meinen ersten Roman hinweisen, der ab sofort zu bestellen ist. "Die Messiasin" spielt größtenteils in Berlin und handelt um zwölf eigentümliche Gestalten, die zusammenfinden, weil sie glauben, die erste Messiasin der Weltgeschichte getroffen zu haben.
Für alle Neugierigen verweise ich auf hier.
Viel Spaß beim Lesen!
Max Kenner
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