Stellen Sie sich einmal kurz vor, es ist Fußball-Europameisterschaft und niemand geht hin. Unvorstellbar? Nicht ganz.
Wenn am 10.Juli im südschwedischen Halmstad das erste Spiel der UEFA-Frauen EURO 2013 zwischen Italien und Finnland angepfiffen wird, droht dieses erste Vorrundenmatch leider vor leerer Kulisse ausgetragen zu werden. Und nichts nur dieses.
Am 14.Februar beginnt nun endlich der Vorverkauf der Tickets. Je nach Kategorie verlangen die Veranstalter zwischen 100,- und 200,- schwedische Kronen (etwa 12,- bis 24,- EUR). Kinder bis 16 Jahre bezahlen nur 50,- Kronen. Für ausländische Gäste gibt es auch noch einen Rabatt, wenn sie für alle drei Vorrundenspiele ihrer eigenen Mannschaft Eintrittskarten kaufen. Das klingt für Fußballspiele ungewöhnlich preiswert.
In den hiesigen Medien gibt man sich alle Mühe der Welt, einen Erfolg der Veranstaltung herbeizureden. Es wurden drei Turnierbotschafter ernannt, die bei jeder Gelegenheit zu Wort kommen und Pia Sundhage, gerade eben zur besten Trainerin der Frauenfußballwelt gewählt und ihres Zeichens singende Übungsleiterin der Nationalmannschaft, fordert überall und stets die Unterstützung der schwedischen Bevölkerung ein.
Doch hilft das alles nicht, wenn kein richtiges Interesse besteht. Der Zuschauerschnitt in der Damallsvenskan (der schwedischen Fußballliga der Frauen) kommt nicht recht vom Fleck, oder sinkt sogar. Obwohl der schwedische Frauenfußball überall in der Welt einen guten Ruf besitzt. Einige hundert, manchmal etwas über eintausend Zuschauer verlieren sich gewöhlicherweise im weiten Rund der Stadien bei diesen Spielen.
Man hat die Spielorte absichtlich in den Süden gelegt. Dort leben mehr Menschen, die Anfahrtswege
zum Kontinent sind kurz, oder besser gesagt kürzer. Spielorte sind Växjö, Halmstad, Kalmar, Göteborg, Linköping und Norrköping. Der ganze Turniertross findet dann erst am 28. Juli zum Finale seinen Weg in die Hauptstadt nach Stockholm.
Trotzdem rechnen viele Experten (leise und verhalten, schließlich möchte niemand in den Verdacht von fehlenden Patriotismus geraten), dass die Stadien leer bleiben werden. Euphorie gar, wird man nach deren Meinung nirgends antreffen.
Im Juli macht Schweden Pause. Der, der kann, verreist. Ob er das ausgerechnet in die oben genannten Städte tut, ist nicht unbedingt zu erwarten. Deren sommerliche Einwohnerzahl wird jedenfalls kaum ausreichen, die Stadien zu füllen, wenn denn dann überhaupt Interesse am Frauenfußball besteht.
Natürlich kann man von einem Land wie Schweden, das vollständig andere Bedingungen besitzt, als ein Land auf dem Kontinent, nicht automatisch ein ähnlich beschwingtes Ereignis, wie die Frauenfußballweltmeisterschaft 2011 erwarten. Ein kleines bisschen Aufregung und Leidenschaft gehört jedoch bei einem solchen Sportereignis unbedingt dazu, auch wenn die Spiele in der schwedischen Provinz ausgetragen werden.
Die deutsche Mannschaft startet am 11.Juli in Växjö gegen die Niederlande. Bevor sie dort am 14.Juli auf Island trifft. Växjö ist übrigends ideal gelegen für den normalen deutschen Schwedenurlauber (Seen, Sumpf und Wälder). Warum nicht Fußball und Urlaub miteinander verbinden? Am 17. Juli folgt noch das Spiel gegen Norwegen in Kalmar, dem Tor nach Öland, einer weiteren berühmten und sehr schönen Urlaubsgegend.
Und danach gehts schon um alles oder nichts.
Schwedens erklärtes Ziel ist der Europameistertitel, der aber seit 1995 (!) stets von Deutschlands Frauen gewonnen wurde. Diese Kampfansage verspricht Spannung. Jetzt fehlt nur noch die passende Stimmung in den Stadien. Vielleicht bringen die ja die ausländischen Gäste mit. Also bis bald bei der UEFA-Frauen EURO 2013 in Schweden!
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