Donnerstag, 17. Dezember 2009

Julskinka und der Alkohol





Aktuelle Schneehöhe in Stockholm




Die vergnüglichsten Tage des Winters, und da stimme ich mit Ihnen, lieber Leser, sicherlich überein, sind die Weihnachtsfeiertage.
Ob man nun die Geburt des Herrn feiert oder nicht, ob man die von mir lange Zeit ersehnte Wintersonnenwende begrüßt oder nicht, ob man dick ist oder nicht, die meisten Menschen unserer Weltgegend treffen die Familie und Freunde, beschenkt sich, essen und trinken, sinnieren zusammen, und sehen sich gezwungenermaßen gemeinsam das Wiederholungsprogramm der Fernsehsender an.

Da unterscheidet sich Weihnachten in Schweden kaum von dem in Deutschland. Und wie in Deutschland sind die Tage vor dem Fest mit ziemlich viel Stress und Aufregung verbunden: die Geschenke wollen gekauft und danach eingepackt sein, Plätzchen mit den Kinder gebacken und verzehrt sein etc. Sie wissen wahrscheinlich genau was ich meine.

Und auch dieses Jahr verliefe wohl in Schweden alles in gewohnten und langweiligen Bahnen, wenn nicht die Interessen- und Lobbyorganisation namens IOGT-NTO in der Vorweihnachtszeit mit einer Kampagne überrascht hätte.
Die IOGT-NTO ist eine Organisation die sich dem Kampf gegen den Alkoholkonsum verschrieben hat. Sie hat nach eigenen Angaben 44000 Mitglieder im Land, ein Teil von ihnen hat sich für ein Leben in Abstinenz vom Alkohol entschieden, der Rest scheint noch daran zu arbeiten.

Man sieht sich selbst als eine Art Speerspitze im Kampf gegen Alkohol. Aus diesem Grund lancierte man also in der Vorweihnachtszeit die Kampagne mit den schönen Namen weiße Weihnacht (Vit Jul), mit dem Untertitel: Alle Kinder haben ein Recht auf eine weiße Weihnacht, einem einigermaßen lustigen Wortspiel aus der schwedischen Sprache. Weiße Tage, weiße Wochen usw. beschreibt eine Zeit ohne das Konsumieren von Alkohol.

Die IOGT-NTO fordert unter Verweis auf die schwerwiegenden Folgen für die Kinder nicht weniger, als den völligen Verzicht auf Alkohol an den Weihnachtsfeiertagen. Die Organisation schuf dafür extra eine Homepage, bei Interesse zu ergoogeln, auf der man sich als Verzichter zählen lassen kann, schaltete Anzeigen und hielt eine Pressekonferenz ab. Das wäre wohl alles im Weihnachtskaufrausch untergegangen, wenn nicht hier und da Journalisten das Thema in Kolumnen aufgegriffen und befürwortet hätten. Ich rechnete daraufhin mit einer Massenbewegung unbekannten Ausmaßes, tatsächlich fanden sich schnell 50000 Unterstützer (etwa 0,5 % der Gesamtbevölkerung) die das Anliegen auf der Homepage unterstützten.
Doch hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, tatsächlich sträuben sich die Leute in ihren Kommentaren im Internet gegen einen Alkoholverzicht, manche amüsieren sich darüber köstlich, manche sind böse auf den Vorschlag und werfen den Vorkämpfern der weißen Weihnacht Fundamentalismus vor.
Die Unterstützerzahlen auf der Internetseite stagnieren zur Zeit, es scheint sich bei ihnen wohl lediglich um die Mitglieder der Organisation und ihren Familienmitgliedern zu handeln und das Thema schläft jetzt wenige Tage vor Weihnachten immer mehr ein. Ich habe den Eindruck, dass die Kampagne an der Dickköpfigkeit der Schweden abprallt. Sie scheinen einfach noch nicht reif genug, um auf Alkohol auf dem Weihnachtsbüfett (schwedisch: Julbord) zu verzichten.

Das sieht im Übrigen genauso aus wie zum Mittsommerfest. Also mit eingelegten Hering, kleinen Würstchen, Köttbullar, Kartoffeln, Knäckebrot. Nur Sülze und der Weihnachtschinken (Julskinka) kommen hinzu.
Für den Schinken nimmt man ein 2 Kilogramm schweres Stück, bereits gekocht. Streicht ihn mit einer vorbereiteten Senf-Honig-Mischung dick ein, dazu mit Nelken spicken, dann den Schinken bei 220 Grad 15 Minuten in den Ofen schieben. Fertig.
Dazu reicht man am besten den geschmeidigen Rotwein Embruix de Vall Llach 2005 aus dem Priorat/Spanien.

Ich wünsche allen Lesern Guten Appetit und Frohe Weihnachten!

Ihr
Max Kenner

Freitag, 11. Dezember 2009

Szenen aus der neuesten Fortsetzung der jährlichen Reihe Nobelfestbankett, unter besonderer Berücksichtigung deutscher Befindlichkeiten


Man dinierte Wachteln. Diese kleinen süßen Vögel mit wenig Fleischanteil. Bei geschätzten 1200 Gästen im Stockholmer Stadthaus (Stadhus) zum Nobelpreisbankett macht das also mindestens 1200 Stück dieser niedlichen Geschöpfe. Ich möchte hoffen, dass die Vögel sich der großen Ehre bewusst waren, die es bedeutet, beim Bankett der Nobelpreisträger auf dem Teller zu liegen und aufgegessen zu werden.

Zum Glück für das schwedische Volk wurde die gesamte Veranstaltung im Sender SVT 1, dem Gegenstück zur ARD, übertragen. So bestand die Möglichkeit am Los der Wachteln, der Freude der Nobelpreisträger und am Gefühlszustand des einen oder anderen nationalen oder internationalen Prominenten teilhaben zu können. Das war mitunter traurig, manchmal komisch, hin und wieder aber auch interessant.

Wir erblickten also wie Vorgang, Hauptgericht und Nachtisch serviert wurden, sahen 1200 Menschen beim Essen zu, hörten sinnfreie Meinungen der Reporter, bewunderten ein kleines Kulturprogramm, und genossen zwischendurch viele Interviews und Einspielfilme zum Thema.

Der blaue Saal des Stadthauses präsentierte sich in würdiger Dekoration und im gemütlichen Lichtschein. Trompeten erschallten. Die Königsfamilie und die Nobelpreisträger marschierten ein. Alle Gäste hatten sich zu ihren Ehren erhoben. Die Damen wandelten in hübschen Kleidchen, die Herren im Smoking.

Im Folgenden wussten 220 Kellner zu dienen und ein „Romeo und Julia“- Chor gefiel mit schönen Stimmen. Ein überaus harmonischer Schimmer legte sich über die dortigen Anwesenden und auch über die anwesenden Zuschauer bei mir zu Hause.

Dann strahlte man ein kurzes Interview mit Herta Müller aus Berlin-Frohnau aus, das man augenscheinlich vorher oder zwischen den Gängen aufzeichnet hatte.
Die Fragenstellerin, bekleidet mit einem weinroten Kleid aus Samt, das hinter ihrem Hals befestigt war, und die ganze Zeit bei mir den Reflex provozierte, hinzuzueilen ,um das vermeintliche Hinabgleiten des Kleides zu verhindern, und die Nobelpreisträgerin, zugeknöpft und schwarz-weiß bekleidet, trafen sich, ohne jedoch so recht zusammenzufinden.

Die Dame vom Fernsehen erstrahlte in Euphorie, Freundlichkeit und mit einem sympathischem Unvorbereitetsein. Unsere Preisträgerin lächelte anfangs ebenfalls. Nun soll aber der Originalton des Interviews folgen, soweit mir der aus dem Gedächtnis zu holen noch möglich ist:

Frage: „Sie sind hier auf dem Nobelbankett, dieser wundervollen Veranstaltung zu Ehren der Nobelpreisträger, wie fühlt man sich da?“

Frau Müller: „Ja, ich bin hier auf dem Bankett. Einer Veranstaltung zu Ehren der Nobelpreisträger.
Aber verlangen sie bitte nicht von mir in Euphorie auszubrechen. So ein Mensch bin ich nicht!“
(Sie beendet ihr Lächeln)

Frage: Sie haben in ihren Büchern viel von Königen geschrieben. Nun sind sie hier in Stockholm und treffen einen leibhaftigen König. Was geht ihnen da durch den Kopf?

Frau Müller: „Also, (wenn Blicke töten könnten….) das ist doch was völlig anderes. In meinen Büchern sind die Könige böse, Diktatoren, sie unterdrücken Menschen. Ganz schrecklich. Der König von Schweden ist doch König von Schweden, einer Demokratie, ein demokratischer König…“

Die folgende Worte und auch noch die nächste Frage über ihren Mut gingen im Stimmengewirr der überwiegend republikanisch gesinnten Zuschauer in meinem Wohnzimmer unter. Aber die Gesichtsausdrücke der beiden Damen im Fernsehen änderten sich nicht wesentlich und ich muss daher annehmen, dass sie wohl keine Freundinnen mehr wurden.

Einige Zeit später schritt Frau Müller zu ihrer Dankesrede. Das war schon zu fortgeschrittener Stunde, und vor ihr hatten sich schon einige andere Preisträger mit charmanten und lustigen Worten bei ihren Wohltätern, Familien etc. bedankt. Frau Müller sprach auf Deutsch, was eine Übersetzerin notwendig machte und ihre Rede auch noch etwas in die Länge zog.

Die Voraussetzungen waren also nicht die besten. Sie berichtete dann von ihrem Leben, wie sie es als Kuhhirtin in einem Tal bis zur Nobelpreisträgerin gebracht hatte, wie oft sie neben sich selbst steht und wie schwer das Leben in einer Diktatur war.

Der Regisseur ließ ganz nebenbei zum Ehrentisch hinüber schalten und was mussten wir da sehen? Eine eingeschlummerte Königin! Die gastgebende Königin war eingenickt. Die Ehefrau eines Preisträgers war schon zuvor eingeschlafen, Prinzessin Viktoria spielte gelangweilt mit einem Bonbonpapier o.ä. und faltete es dann sorgfältig rechtwinklig zusammen. Die anderen Gäste am Tisch erzeugten keinen glücklichen Eindruck, wirkten schläfrig, einige sogar leidend.

Nur einer hob sich ab vom Rest: unser Außenminister Guido Westerwelle. Der blickte wie ein engagiertes Erdmännchen zum erhöhten Rednerpult, hinauf zu Herta Müller. Heldenhaft folgte er ihren Worten, hielt das Banner der Aufmerksamkeit für die ehemalige Kuhhirtin aus dem Banat hoch und erschien uns daheim als Außerirdischer, nicht von dieser Welt, mehr als nur ein Mensch, denn die anderen Menschen am Tisch schliefen oder litten ja.
Als die Literaturpreisträgerin mit ihrer Rede geendet hatte, brandete Applaus auf und Frau Müller lächelte wieder. Die Leute an ihrem Tisch auch.

Ohne Zweifel der Höhepunkt aus deutscher Sicht war aber das Interview mit Herrn Westerwelle. Der Außenminister parlierte tatsächlich in holprigen Englisch zu den gestellten Fragen. Betonte häufig, wie groß die Ehre für ihn und sein boyfriend sei, am Bankett teilzunehmen. Dabei war er zapplig, lobte und dankte ständig irgendjemanden und wirkte aufgedreht wie ein kleiner Junge zur Konfirmation.

Man gewinnt leicht den Eindruck, der Mann muss alles mitnehmen, was sich ihm als Außenminister anbietet. Also auch die armen Wachteln in Stockholm. Beim letzten Bankett unter deutscher Beteiligung bei den Preisträgern, reichte noch der Botschafter als offizieller Vertreter der Bundesrepublik aus.
Als Herr Westerwelle dann Fragen zum Friedensnobelpreisträger beantworten sollte, verhaspelte er sich ein wenig. Man verstand noch, Mister Obama wolle zur Abrüstung der Kernwaffen beitragen, der Rest ging in fehlenden Englischkenntnissen unter. Die Herrschaften vom Fernsehen reagierten sofort und beendeten das Interview. Leider konnten wir so nicht noch mehr erfahren, über die Freuden des Außenministers in Stockholm zu sein oder über seine Einschätzungen und Gedanken über den schwedischen König.

Sollte also ein Verantwortlicher diese Zeilen lesen, bitte geben sie Deutschland im nächsten Jahr erneut einen Nobelpreis, welches Fachgebiet ist mir eigentlich egal! Hauptsache mein Außenminister kommt noch einmal, denn der war noch nicht fertig interviewt und nächstes Jahr spricht er bestimmt auch besser Englisch. Versprochen!

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Das Wahrzeichen von Schweden




Mach kein Feuer direkt auf Felsen, die gehen sonst kaputt.
( Aus dem Allemansrätt)


Ein langer Signalton, mehrere Male unterbrochen, warnt mich. Nach einigen Sekunden der Stille macht es Ruuumsssss.
Die Fensterscheiben klirren verdächtig, mein Trommelfell kitzelt. Instinktiv ducke ich mich in meinem eigenen Wohnzimmer. Es ertönt ein kurzer Entwarnungston. Ich stelle mich wieder auf, drücke mein Rückgrat durch und kontrolliere mit einem Blick, ob sich noch alles auf seinem Platz befindet.
In meiner Nachbarschaft sollen Rohre für ein neues Haus verlegt werden. Bereits das vierte Mal an diesem Morgen wird deshalb mithilfe einer Sprengung versucht, den nötigen Raum für die Rohre zu schaffen. Zum Glück ist bisher alles in meiner Wohnung ganz geblieben und ich bin unverletzt.

Fragt man Chinesen was ihnen zu Schweden einfällt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß ein Achselzucken und fragende Blicke zu ernten. Ein Großteil im bevölkerungsreichsten Land der Welt hat von Schweden noch nie etwas gehört, was den PR-Büros der hiesigen Markenproduzenten regelmäßig den Schweiß auf die Stirn treibt. Trifft man dagegen Amerikaner aus den USA, ist es nicht abwegig zu hören zu bekommen,dass Schweden ein anderer Begriff für Sozialismus (und auch hier)ist, aber sie vergessen dabei nicht, leise von Blondinen und IKEA zu reden.

Für uns aus Deutschland liegen die Dinge einfacher. Das mag an der geringeren Entfernung nach Skandinavien liegen oder an der längeren Zeit, die IKEA schon die Sinne der deutschen Fernsehzuschauer vernebelt. Jedenfalls existieren eine Vielzahl von Dingen, die wir mit Schweden in Verbindung bringen: Elche, Seen, rotgefärbte Hütten, Köttbullar (mir unverständlich warum Buletten so eine Wirkung entfalten), Wälder, selbstverständlich Blondinen, schöne Natur im Allgemeinen, helle Nächte im Sommer, Stinkefisch, aber auch IKEA, viel Schnee, dunkle und kalte Winter, Pferde aus Dalarna, unzugängliche Menschen, hohe Steuern etc..

Welches von all den Dingen dem wahren Charakter Schwedens entspricht und keine Erfindung der Reklameindustrie oder sogar ein böses Vorurteil ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich weiß nur, was auf allen dieser Listen zu Unrecht nicht erwähnt wird, und das sind Steine.

Überall, wie eine Seuche, liegen die Dinger in der Landschaft herum. Als Geröll, als Findlinge oder als ganzer Berg. Aus ihnen wachsen scheinbar Bäume, sie stehen andauernd im Wege, bilden bei Regen grässliche Rutschbahnen und stören beim Verlegen von Abwasserrohren. Man kann sich dieser Plage einfach nirgendwo entziehen.

Erreichen Mitteleuropäer zum ersten Mal Skandinavien dauert es nur eine kurze Zeit, bis sie in Entzücken ausbrechen, weil ihnen auffällt, wie sehr die Felsen Grundlage der einheimischen Natur sind. An dieser Stelle ist es mir stets eine Freude, den klugen Satz anzubringen: „Ja, es ist kein Wunder, dass ein Schwede das Dynamit erfunden hat.“, und beeindrucke so in den meisten Fällen mein Gegenüber mit meinem Halbwissen.

Ich hab keine Ahnung, was genau Alfred Nobel zu seiner Erfindung veranlasst hat, aber abgesehen vom ewigen Problem von Ursache und seiner Wirkung, das sich hier stellt, beschreibt er auf trefflichste die Herausforderungen denen sich die Schweden ständig stellen müssen.Denn geologisch sind sie tatsächlich belastet.

Möchte man beispielsweise einen Tunnel unter der Stadt bauen, muss gesprengt werden, findet man kein Platz um ein Haus zu bauen, wird ein Felsen mit Sprengstoff passend gemacht und das Gebäude danach oft direkt auf den abgeflachten Stein errichtet. Bewundert man in Norddeutschland die Findlinge, die durch das Eis während einer der letzten Eiszeit dorthin geschoben und abgelegt wurden, gibt es hier Fachkräfte zur Beseitigung derselben.


Die Fachkräfte

Und da das Eis nun, ungeachtet einiger weniger Gletscher im Gebirge, fast verschwunden ist und der Riesenfelsen namens Skandinavien deshalb in die Höhe „schnellt“, behindern Felsen und Steine häufig den Schiffsverkehr oder die Badenden. Das Schöne daran ist, dass so ständig neue Inseln entstehen auf denen ein romantisches Picknick vorstellbar ist, sofern man dafür ein Boot zur Verfügung hat.

Landwirtschaft ist in vielen Teilen des Landes wegen diesem Untergrund nur schwer oder nur als Viehzucht möglich. Eine Tatsache, die in Schwedens Vergangenheit recht häufig zu Not und Hunger beigetragen hat. Ertragreicher Ackerbau lohnt sich vorwiegend nur in Skåne, ganz im Süden, und in den Gebieten rund um die großen Seen, wobei selbstverständlich die verschlimmernde Rolle des Klimas nicht verschwiegen werden soll.

In Stockholms naher Zukunft stehen einige Infrastrukturmaßnahmen auf der Agenda, so soll nun endlich eine westliche Umgehungsautobahn gebaut werden.
Vorgesehen ist, von der 21 Kilometer langen sogenannten Förbifart (Vorbeifahrt), 17 Kilometer durch einen Tunnel zu führen, um die Belastungen für die Einwohner, darunter auch die Königsfamilie auf ihrem Schloss Drottningholm, gering zu halten. Das bedeutet aber auch, dass man sich mindestens 8 Jahre durch Felsen arbeiten muss. Eine ewige Zeit, wenn man bedenkt, wie notwendig diese Umgehung für das verkehrsgeplagte Stockholm schon jetzt ist. Zum Glück gibt es Dynamit.
Gezwungenermaßen passen sich die Schweden also der vorherrschenden Topografie an. Geduld und ein gewisses Maß an Gelassenheit sind dafür unabdingbar.

Dazu noch ein Beispiel aus der Welt des Nachwuchses. Kaum können die kleinen Kinder laufen, klettern sie auch schon auf den Felsen herum, denn die bilden anziehende und atemberaubende Spielplätze. Den Eltern würde es nie einfallen ihre Kinder zu stoppen. Das alte Sprichwort, früh übt sich, wer ein Meister werden will, kommt hier voll zu seiner Geltung.

Ein Verbot gilt als kontraproduktiv, bei der nächstbesten Gelegenheit erklettern die Gören sowieso ihre Umgebung. Unserseits vorhandene Ängste, die wohl aus der mitteleuropäischen steinfreien Sozialisation herrühren, sind fehl am Platz. Als unser Kind mehrmals negativ auffiel, weil es als einziges nicht beim Turnen auf Felsen teilnehmen durfte, kostete es uns viel Kraft umzudenken. Heute klettert es munter mit den anderen Kindern, auch wenn unsere Unruhe noch immer vorhanden ist und wir uns mahnende Worte nicht verkneifen können.

Aus allen diesen Gründen ist es ergo nicht ungewöhnlich von Felsen zu träumen, Gedanken an sie zu verschwenden, sie zu verfluchen, auf ihnen zu picknicken, wenn man nur das Glück hat, sich in Schweden aufzuhalten.

Denken sie, lieber Leser, in der nächsten Zeit also zufällig an Schweden und ihnen gehen Bilder mit Köttbullar und Stinkefisch durch den Kopf oder sehen sie im Fernsehen ein Werbefilm für schwedische Produkte, mit stillen Seen, Holzhütten und liebestollen Elchen, lassen Sie sich bitte nicht verwirren, das wahre Zeichen für Schweden ist allein der Felsen. Ruuumsssss!



Ein nettes Reklamefilmchen zur Förbifart Stockholm findet sich hier

Ein passendes Buch zum Thema ist „Die Ostsee, Eine Natur- und Kulturgeschichte“ von Hansjörg Küster