Aktuelle Schneehöhe in Stockholm
Die vergnüglichsten Tage des Winters, und da stimme ich mit Ihnen, lieber Leser, sicherlich überein, sind die Weihnachtsfeiertage.
Ob man nun die Geburt des Herrn feiert oder nicht, ob man die von mir lange Zeit ersehnte Wintersonnenwende begrüßt oder nicht, ob man dick ist oder nicht, die meisten Menschen unserer Weltgegend treffen die Familie und Freunde, beschenkt sich, essen und trinken, sinnieren zusammen, und sehen sich gezwungenermaßen gemeinsam das Wiederholungsprogramm der Fernsehsender an.
Da unterscheidet sich Weihnachten in Schweden kaum von dem in Deutschland. Und wie in Deutschland sind die Tage vor dem Fest mit ziemlich viel Stress und Aufregung verbunden: die Geschenke wollen gekauft und danach eingepackt sein, Plätzchen mit den Kinder gebacken und verzehrt sein etc. Sie wissen wahrscheinlich genau was ich meine.
Und auch dieses Jahr verliefe wohl in Schweden alles in gewohnten und langweiligen Bahnen, wenn nicht die Interessen- und Lobbyorganisation namens IOGT-NTO in der Vorweihnachtszeit mit einer Kampagne überrascht hätte.
Die IOGT-NTO ist eine Organisation die sich dem Kampf gegen den Alkoholkonsum verschrieben hat. Sie hat nach eigenen Angaben 44000 Mitglieder im Land, ein Teil von ihnen hat sich für ein Leben in Abstinenz vom Alkohol entschieden, der Rest scheint noch daran zu arbeiten.
Man sieht sich selbst als eine Art Speerspitze im Kampf gegen Alkohol. Aus diesem Grund lancierte man also in der Vorweihnachtszeit die Kampagne mit den schönen Namen weiße Weihnacht (Vit Jul), mit dem Untertitel: Alle Kinder haben ein Recht auf eine weiße Weihnacht, einem einigermaßen lustigen Wortspiel aus der schwedischen Sprache. Weiße Tage, weiße Wochen usw. beschreibt eine Zeit ohne das Konsumieren von Alkohol.
Die IOGT-NTO fordert unter Verweis auf die schwerwiegenden Folgen für die Kinder nicht weniger, als den völligen Verzicht auf Alkohol an den Weihnachtsfeiertagen. Die Organisation schuf dafür extra eine Homepage, bei Interesse zu ergoogeln, auf der man sich als Verzichter zählen lassen kann, schaltete Anzeigen und hielt eine Pressekonferenz ab. Das wäre wohl alles im Weihnachtskaufrausch untergegangen, wenn nicht hier und da Journalisten das Thema in Kolumnen aufgegriffen und befürwortet hätten. Ich rechnete daraufhin mit einer Massenbewegung unbekannten Ausmaßes, tatsächlich fanden sich schnell 50000 Unterstützer (etwa 0,5 % der Gesamtbevölkerung) die das Anliegen auf der Homepage unterstützten.
Doch hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, tatsächlich sträuben sich die Leute in ihren Kommentaren im Internet gegen einen Alkoholverzicht, manche amüsieren sich darüber köstlich, manche sind böse auf den Vorschlag und werfen den Vorkämpfern der weißen Weihnacht Fundamentalismus vor.
Die Unterstützerzahlen auf der Internetseite stagnieren zur Zeit, es scheint sich bei ihnen wohl lediglich um die Mitglieder der Organisation und ihren Familienmitgliedern zu handeln und das Thema schläft jetzt wenige Tage vor Weihnachten immer mehr ein. Ich habe den Eindruck, dass die Kampagne an der Dickköpfigkeit der Schweden abprallt. Sie scheinen einfach noch nicht reif genug, um auf Alkohol auf dem Weihnachtsbüfett (schwedisch: Julbord) zu verzichten.
Das sieht im Übrigen genauso aus wie zum Mittsommerfest. Also mit eingelegten Hering, kleinen Würstchen, Köttbullar, Kartoffeln, Knäckebrot. Nur Sülze und der Weihnachtschinken (Julskinka) kommen hinzu.
Für den Schinken nimmt man ein 2 Kilogramm schweres Stück, bereits gekocht. Streicht ihn mit einer vorbereiteten Senf-Honig-Mischung dick ein, dazu mit Nelken spicken, dann den Schinken bei 220 Grad 15 Minuten in den Ofen schieben. Fertig.
Dazu reicht man am besten den geschmeidigen Rotwein Embruix de Vall Llach 2005 aus dem Priorat/Spanien.
Ich wünsche allen Lesern Guten Appetit und Frohe Weihnachten!
Ihr
Max Kenner