Mittwoch, 4. Mai 2011
Alles Müll!
Der See unterm Balkon zeigt sich nun endlich in alter Pracht. Seit ein paar Wochen ist das Eis aus allen seinen Winkeln verschwunden und die Wellen schwappen wieder mit der lange vermissten Regelmäßigkeit gegen den Strand. Ganz „bebadebar“ ist er noch nicht, der Mälarsee, aber mehr als ein oder zwei oder drei Wochen bekommt er nicht mehr, dann ist er fällig. Versprochen!
Das Verschwinden des Eises hat jedoch nicht nur angenehme Seiten. An den Ufern des Sees sammelt sich zurzeit der Müll.
Dosen, Plastiktüten, Plasteflaschen und viele andere Dinge, die nicht so leicht untergehen, verschandeln die Landschaft. Auch im Wald müssen sich einige Zeitgenossen übermäßig ausgetobt haben. Zwischen Frühlingsblumen stolpert man überraschend häufig über Metallteile oder verfängt sich in den bekannten Systembolagettüten. Irgendwie passt der Anblick der Überreste der Zivilisation nicht zusammen mit dem Anblick der aufwachenden Natur und dem blauen Himmel.
Wie gut, dass die Stiftung „Håll Sverige Rent” (Halte Schweden sauber!) nun zu den nationalen Müllsammeltagen aufgerufen hat. Nicht nur Schulklassen und Kindergartengruppen sollen in ihren jeweiligen Kommunen den Dreck beseitigen.
Der Aufruf gilt ausdrücklich auch den Erwachsenen.
Nicht jeder wird sich angesprochen fühlen. Aber im letzten Jahr sollen sich immerhin 400 000 Schweden an der Vorgängeraktion beteiligt haben. Viele Firmen und Vereine unterstützen die Aktion tatkräftig und mit Werbung. In den letzten Wochen trafen wir tatsächlich mehrfach Leute im Wald, die fleißig Müll aufsammelten. Es scheint also eine Aktion mit gewissem Gewicht zu sein. Die Säcke dafür gibt es Übrigends kostenlos von der Kommune.
Vor ein paar Tagen erzählte uns dann unser Kind, dass die ganze Meute aus dem Kindergarten zu den Wiesen am Ufer spazierte um ihren Teil für ein sauberes Schweden beizutragen, in dem sie eine Stunde lang jeden Dreck auflasen. Es klärte uns auf, wie wichtig es wäre, den Müll stets in die Mülltonne zu werfen und nicht auf die Wiese, damit sich die Tiere und die Blumen wohlfühlten. Wir konnten dem natürlich nur zustimmen und freuten uns über die umweltbewusste Erziehung im Kindergarten.
Am Nachmittag saßen wir danach gemeinsam auf einem Steg und sahen den ersten Booten des Jahres beim Umherschippern zu. Die Sonne brannte auf der Haut, der Wind war angenehm mild.
Auf einem besonders schicken Motorboot waren zwei ältere Herren anscheinend gerade mit dem Frühlingsputz beschäftigt. Mit viel Elan warfen sie Kaffeebecher und Bierdosen über Bord. Als sie schon lange hinter einer Landspitze verschwunden waren, trieb ihr Müll immer noch vor uns herum.
Im Kind rumorte es erst und dann zeigte es sich empört über die Erwachsenen, die nicht an die Tiere dachten. Uns fehlten die Worte, bis wir erklärten, dass die Männer später bestimmt eine Strafe von der Polizei erhalten würden. Damit retteten wir zumindest vorerst das Antimüllkonzept und ernteten vom Engelchen ein energisches Kopfnicken.
Ich bin zutiefst überzeugt, die nächste Generation wird es sicher noch besser machen.
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