Die Ausmaße des Unglücks lassen sich heutzutage nicht mehr recht nachvollziehen. Statistische Werte ließen sich, vielleicht aus gutem Grund, nicht mehr ermitteln. Doch muss der allgemeine Zustand schwedischer Zähne in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen besorgniserregenden Zustand erreicht haben. Denn Anfang der Fünfziger entschieden sich die Zahnärzte des Landes den Godisdag (Süßigkeitentag) zu propagieren, um so dem Verfall der Volkszähne Einhalt zu gebieten. Forschungen hatten nämlich ergeben, dass der übermäßige und unkontrollierte Konsum von Süßigkeiten die Ursache dafür waren.
Die Eltern wurden damals aufgefordert, ihren Kindern nur noch an einem Tag der Woche das Essen dieser Süßigkeiten zu gestatten. Und damit kein unübersichtliches Chaos entstehen konnte, erkor man praktischerweise den Sonnabend/Samstag zu diesem Tag.

"Normales" Angebot an Süßigkeiten in einem Einkaufsmarkt
Die Aktion wurde ein voller Erfolg. Zwar naschten die Kinder weiterhin ihre Godis, doch nur noch an dem dafür vorgesehenen Wochentag. Generationen von Schweden sollten in der Folge damit aufwachsen, am Sonnabendmorgen in den nächst gelegenem Einkaufsmarkt zu pilgern, sich auf landestypischer Weise lose Süßigkeiten mit einer Schöpfkelle in eine Papiertüte zu schaufeln und sich dermaßen zu belohnen. Es entstand eine regelrechte Industrie bzw. Infrastruktur für Süßigkeiten. Jede Tankstelle, jeder Supermarkt, jeder Kiosk verkaufte nun lose Süßigkeiten. Ein ganz eigenes Merkmal Schwedens wurde damit geboren. Das Beste daran war jedoch, es funktionierte. Die Zahnhygiene verbesserte sich tatsächlich so wie angedacht.
Doch Zeiten ändern sich nun mal.
Vielleicht haben die Leute im 21. Jahrhundert einfach weniger Respekt vor den weisen Worten der Zahnärzte. Vielleicht sind die Zahnärzte heute zu teuer, um ihnen Seriosität zugestehen zu können.
Sicher ist jedoch, der Konsum von Dingen ist zum Selbstzweck geworden. Sicher ist auch, die Preise für den Süßkram sind um einiges gefallen und die Schweden haben grundsätzlich mehr Geld zur Verfügung.
Selbstverständlich werben die Süßigkeitenhersteller lieber für ihre Produkte, als über die Gefahren aufzuklären. Die Organisation der Zahnärzte (Folktandvård) kann dem nicht viel mehr entgegen setzen, als bunte Broschüren in den Kliniken und Praxen. Ganz allgemein gilt, die Menschen scheinen ihre Prioritäten anders zu setzen, ob nun wegen fehlender Bildung oder an Mangel Erziehung oder aus ganz anderen Gründen, das mag jeder für sich entscheiden.
Die Voraussetzungen veränderten sich jedenfalls und der ursprüngliche Gedanke hinter dem Godisdag, den Konsum von Süßigkeiten in geordnete Bahnen zu lenken, hat sich in sein Gegenteil verkehrt.
Damals belohnte sich man einmal die Woche. Heute nehmen viele Schweden den „offiziell“ anerkannten Süßigkeitentag als einen persönlichen Freibrief für den hemmungslosen Konsum von Süßigkeiten von Sonnabend ganz früh bis spätabends, berichtet unsere engagiert wirkende Kinderzahnärztin beim jährlichen Kontrollbesuch. Schließlich ist ja Süßigkeitentag. Da darf man das ja. Das weiß ja jeder. Bilden sich die Leute jedenfalls ein.
Dabei haben sie schon an den anderen Wochentagen fleißig Cola und süßen Saft und Chips und Schokolade und natürlich die losen Süßigkeiten konsumiert, fährt die Zahnärztin fort zu erklären. Schweden ist Weltmeister beim Verbrauch von diesen lose verkauften Süßigkeiten. Jeder Schwede isst tatsächlich durchschnittlich 18 Kilo von diesem Zeug in einem Jahr. Und dann kommt der entscheidende Satz: Der Zustand der Zähne hat sich überall im Land dramatisch verschlechtert.
Beinahe flehentlich bittet sie uns, unserem Kind wirklich nur am Sonnabend die Leckereien zu zugestehen und dann auch nur im Maßen. Und wenn, dann lieber dunkle Schokolade als klebrige Bonbons, lieber Wasser statt Saft. Wir nehmen diese ausgeklügelten Abstufungen selbstverständlich zur Kenntnis und hofften, wir konnten uns das alles merken. Schließlich wollen wir gute Eltern sein.
Den beeindruckensten Süßigkeitenladen in Stockholm findet man auf dem U-Bahnhof Hötorget. Hier hat man die Süßigkeiten in den Fußboden eingearbeitet. Das Angebot ist lecker und angenehm vielfältig.
Der Godisdag ist meiner Meinung nach nur die Verlängerung des Fredagsmys. Die Frage die sich mir stellt ist: stecken die Godisunternehmen mit der Chipsindustrie unter einer Decke?
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Naja, dann würde es ganz schön eng werden unter dieser Decke. Denk nur an die ganzen Tacoschalen, die an einem gewöhnlichem Freitag verputzt werden und das viele Fleisch und erst die Millionen Liter chilenischer Rotweine.... Leider habe ich keine Zeit mehr die Liste weiter fortzusetzen. Denn ich gehe jetzt über zur Freitagsgemütlichkeit ;-) Schönes WE!
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