Montag, 26. September 2011
Der Troll und das Licht
Ein kugelrunder Troll eilte missmutig seinem Zuhause entgegen. Zu seinem Leidwesen hatte er sich zu sehr verquatscht. Dabei war es so spät geworden, dass es nun schon dunkel wurde.
Zudem stürmte es und der Nieselregen verwandelte sich gerade in einen wasserfallartigen Guss.
Der Troll fluchte etwas in seinen Bart hinein und übersah dabei eine Baumwurzel.
Er geriet ins Straucheln und landete mit dem Gesicht voran auf dem matschigen Boden.
Damit war seine Laune vollends im Eimer.
Mit den Ärmeln wischte er sich den Schlamm aus den Augen und bemerkte, erst da und mit einigem Erschrecken, die völlige Dunkelheit um sich herum.
Er drehte sich um sich selbst, und dann nochmal. Doch der richtige Heimweg war nirgendwo zu erkennen.
Einige Minuten verharrte der Troll auf der Stelle.
Sein Magen knurrte fürchterlich. Müde war er ohnehin schon.
Es musste endlich etwas geschehen.
Er entschloss sich gezwungenermaßen für eine Richtung ohne den geringsten Hinweis auf den richtigen Weg.
Es kam, wie es kommen musste. Der Troll verirrte sich nun vollständig, und wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, fiel er in der absoluten Finsternis andauernd über irgendwelche Stöcke oder Steine oder Löcher und sammelte auf diese Weise etliche Beulen und einiges an Schmutz.
Irgendwann fing der Troll aus Verzweiflung an zu weinen.
Währenddessen saß ein kleines Mädchen in ihrer Hütte und fürchtete sich. Ihre Eltern hatten sie an diesem Abend zum ersten Mal allein gelassen. Ihre Freude darüber war wie weggeblasen.
Nun knarrte und zerrte der Sturm an der Hütte, während der Regen permanent auf das Dach trommelte. Zuerst versteckte das Mädchen ihren Kopf unter das Kopfkissen, doch blieb das völlig wirkungslos.
Die Geräusche drückten immer lauter auf ihr Gemüt.
Im Halbdunkel der Hütte fiel ihr Mut wie ein Kartenhaus zusammen und sie schluchzte laut los.
Wann kämen endlich ihre Eltern zurück? Sie waren schon viel zu lange unterwegs.
Bei einem ihrer ängstlichen Blicke zum Fenster kam ihr auf einmal der famose Einfall, die vermeintlichen Bösewichte mit Licht zu bekämpfen.
Aus der Küche holte sie in Windeseile einen Haufen Kerzen.
In jedes Fenster stellte sie eine von ihnen auf und zündete sie mit ein paar Streichhölzern an.
Sogleich erfasste sie das wohlige Gefühl von Sicherheit, jetzt wo alles in der Hütte hell erleuchtet und auch draußen vor den Fenstern einiges zu erkennen war.
Ihre Angst ließ sich so nun locker im Zaum halten.
Der Troll glaubte seinen Augen nicht. Da vorn leuchtete ein Licht auf, und dann noch eines.
Er rieb sich seine verheulten Augen. Die Lichter blieben bestehen. Da rannte der Troll los, bremste noch einmal ab, weil er in eine Falle zu geraten fürchtete. Oder irgendeine Zauberei.
Doch erinnerte ihn sein knurrender Bauch an die Dringlichkeit der Lösung seiner Probleme.
Er lief erneut im Laufschritt auf die Lichter zu.
Kurz darauf klopfte es an der Tür. Das Mädchen zuckte, wer sollte das um diese Uhrzeit sein?
Ihre Eltern besaßen doch einen Schlüssel.
Nach einigem Nachdenken entschloss sie sich zu handeln. Vorsichtig öffnete sie die Tür und erblickte niemanden.
Auf einmal schrie sie auf.
Bis zur Höhe ihrer Knie stand ein Troll vor ihr.
Auch wenn es ihm an Imposanz fehlte, war er immerhin ein Troll und ihre Reaktion verständlich.
Sie schlug die Tür zu und versteckte sich vor Angst bibbernd unter ihrem Kopfkissen.
Es klopfte erneut.
Das Mädchen lugte sachte hervor, die Tür fest im Blick.
Und wieder klopfte es.
Schon schlich sie zurück zum Eingang der Hütte und lauschte.
Der Troll klopfte weiter und da öffnete das Mädchen endlich und beinahe furchtlos.
Entschuldigen sie die Störung, sagte der Troll, ich habe mich verlaufen und habe einen Riesenhunger, könnten sie mir vielleicht helfen.
Das Mädchen wusste nicht so richtig, was zu tun war, aber das heftige Poltern des Bauches vom Troll überzeugte sie von seinen hehren Absichten.
Sie hielt ihm ein Stückchen Brot, ein bisschen Käse und auch etwas Wurst hin.
Sein zufriedenes Schmatzen beruhigte sie weiter und sie holte auch noch etwas zu trinken.
Das war dringend notwendig, sagte der Troll und leckte sich die Lippen ab, können sie mir auch noch sagen, wie ich nach Hause komme?
Das Mädchen ließ sich erklären, wo der Troll wohnte und wies ihm dann den richtigen Weg.
Er wollte sich eine Laterne erbitten, vorher wollte er dem Mädchen jedoch aus Dankbarkeit einen Wunsch erfüllen.
Das Mädchen überlegte kurz und sagte dann, die Wege sollten beleuchtet sein, damit sich niemand mehr verläuft und auch die Eltern immer den Weg nach Hause fänden.
Der Troll schlug sich vor die Stirn und schalt sich selbst.
Warum war er da nicht früher drauf gekommen?
Und nach ein paar Verrenkungen des Trolls, deren technische Details von uns Nicht-Trollen keinesfalls erfasst werden können, war fast jeder poplige Waldweg in diesem Land des Nächtens von schicken Laternen beleuchtet.
So oder so ähnlich muss es sich damals zugetragen haben, denn heute ist es bei vielen Familien üblich ab dem frühen Herbst Lampen in alle Fenster zu stellen bzw. anzuschalten. Begründet wird diese Tradition häufig damit, denen „da draußen“ den Weg zu weisen und sich selbst ein Gefühl der Gemütlichkeit zu schaffen.
Und auch viele Wald-, Forst-, oder Feldwege sind bei Dunkelheit beleuchtet. Was bei Besuchern vom Kontinent stets für Kopfschütteln sorgt. Die Einheimischen dagegen wissen diese Sache durchaus zu schätzen und nutzen die „beleuchtete Natur“ auch in den dunklen Jahreszeiten.
Dazu kommen noch voll beleuchtete Bürohäuser auch an Wochenenden, eine Menge Heizungen, die mit Strom funktionieren und andere stromfressende Dinge mehr.
Nicht ohne Grund verbraucht der Durchschnitts-Svensson
über 16 000 kWh Strom im Jahr, während sich der Otto Normalverbraucher mit seinem Wohnsitz in Deutschland und mit etwas über 7 000 kWh Verbrauch geradezu bescheiden gibt(Quelle EU), und dass trotz einer doch sehr energieintensiven Wirtschaft zumindest im Süden Deutschlands.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich an die schwedische Variante gewöhnt habe.
War ich anfangs ein Kritiker der hiesigen Zustände, gibt es für mich nun im Herbst und Winter kaum etwas Besseres als eine ordentliche Beleuchtung.
Am liebsten überall und ständig und nicht nur für den Heimweg.
Dabei wähne ich mich ohne jeglichen Zweifel auf derselben Wellenlänge mit dem Großteil der über neun Millionen Einwohner Schwedens und ich frage mich bestürzt, drohen die Skandinavier für die Resteuropäer hinsichtlich ihres Stromverbrauchs zu den neuen Griechen werden?
Gibt es Trolle auch in Griechenland?
Und am wichtigsten, wird es nach dem kommenden Winter noch ein Schweden geben, nun nach dem Eintritt des Verbots der herkömmlichen 60-Watt Glühlampen durch die Europäische Kommission?
Im Übrigen: Herzlich Willkommen im Herbst liebe Leser!
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Hallo Max,
AntwortenLöschenjetzt beginntdie dunkle Jahreszeit, ist doch klar dass man da gerne mal Licht hätte. Ich jogge eben auch im Herbst und Winter gerne, und bin sehr froh dass die Joggingwege so gut beleuchtet sind!
/Steffi
Hej,
AntwortenLöschensag ich doch. Es ist in diesem Land doch fast zwingend notwenig im Winter jeden Tag einige Minuten bis Stunden vor einer hellen bis sehr hellen Lampe zu verbringen. Die Kritiker vom Kontinent sollen ruhig schimpfen.
Da Du auch zu den fleißigen Läufern gehörst, die jeden Tag durch die Botanik rennen, kann ich Dir versichern, dass Du mindestens 100 Jahre alt werden wirst. Ich werde das wohl nicht schaffen. ;-)
LG Max
Hahahhaha tolle Geschichte ;)Irgendwann werden die Strompreise auch Schweden das Licht ausknippsen...
AntwortenLöschenF.
Das wollen wir doch nicht hoffen, denn dann sehen wir hier nichts mehr.
AntwortenLöschenMax