Donnerstag, 7. Januar 2010
Neujahr oder 27 auf einen Streich
Soaa! Ein ganzer Haufen Feiertage liegt hinter uns, 2010 ist noch taufrisch und etliche glückverheißende Tage des neuen Jahres liegen noch vor uns. Für Viele Grund genug sich zurückzulehnen, um vorauszublicken oder entspannt abzuwarten, was die Zukunft bringen mag.
Nicht so Schwedens Wölfe, für sie gab es im neuen Jahr nicht viele Mußestunden. Denn nach langer Zeit der Schonung wurden nun 27 von ihnen zum Abschuss freigegeben. Aufgrund eines Beschlusses des Reichstages landesweit nicht mehr als 210 Exemplare, der bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts als ausgestorben (bzw. ausgerottet) geltenden Tierart zuzulassen, erging nun an die einheimischen Jägern die Erlaubnis ab dem 02.Januar bis zum 15. Februar auf Wolfspirsch zu gehen. Voraussetzung für die individuelle Genehmigung der Jagd war eine Registrierung bei der zuständigen Behörde, dem kamen 12000 Jagdenthusiasten sofort nach, um sich dann pünktlich zum 02.01. auf dem Weg in den Wald machen zu dürfen….
Bereits am Abend des genannten Tages galten die regionalen Quoten in vielen Gebieten als erfüllt. Vielleicht lag das an den Fähigkeiten der hiesigen Jagdgemeinschaft, an dem vielen Schnee, der das Finden der Wechsel und damit das Verfolgen der Beute vereinfachte oder einfach nur an der schieren Masse der Jäger, jedenfalls war überall ein lautes Halali zu vernehmen und die eigentlich auf 6 Wochen angelegte Jagd schon fast vorbei.
In ein paar Gegenden fanden zwar in den nächsten Tagen noch vereinzelte Abschüsse statt, im Örebrolän soll sogar heute noch ein Abschuss „offen“ sein, aber im Großen und Ganzen war die Sache für die Wölfe damit tatsächlich erledigt.
Aber noch nicht für die Menschen. Der Naturschutzverein (Naturskyddsföreningen) beschloss den Schwedischen Staat bei der EU-Kommission wegen der vergebenen Genehmigung anzumelden, weil die Wölfe immer noch vom Aussterben bedroht sind, zumal im schönen Dalarna auch offiziell mehr Tiere getötet wurden, als durch die Quote erlaubt waren.
Einige Jäger erhielten Morddrohungen von übermotivierten Tierschützern, so dass man nicht umhin kam, das uns vom Problembär Bruno bekannte Verfahren anzuwenden, den oder die Schützen geheim zu halten.
In den regionalen und überregionalen Zeitungen und im Internet entwickelten sich in den letzten Tagen wüste Debatten zwischen Jagdgegnern und Jagdbefürwortern und mit einem Mal erhielt man die Möglichkeit Spaltungen innerhalb der schwedischen Gesellschaft wahrzunehmen, die sonst nicht so offen zu Tage treten: dort die Leute vom Lande, dort die aus der Stadt; auf der einen Seite die um ihre eigenen Tiere fürchtenden Bauern, auf der anderen die naturverbundenen Bewohner des Landes; ergänzt natürlich von den Jägern und ihren Gegenübern, den vermeintlichen Sammlern.
Und alle bellten und heulten durcheinander.
Selten beobachtete man in den letzten Jahren so viele ausgelebte Emotionen bei den Schweden (die Tage nach der Verkündigung der Verlobung der Kronprinzessin jetzt mal ausgenommen). Wir werden sehen was davon bleiben wird.
Offiziell begründet wurde die Freigabe der Jagd übrigens mit der notwendigen Erneuerung der genetischen Vielfalt der Wölfe, eine Erklärung, deren Sinn sich mir nicht recht erschließen möchte. Wenn man von 210 Tieren mindestens 27 erschießt, wie erhält man dann eine größere genetische Vielfalt?
Sollte sich jemand unter den verehrten Lesern in der Lage sehen in dieser Sache Licht ins Dunkel zu bringen und diese mir als Paradoxon erscheinende Begründung überzeugend erklären können, so möchte ich ihr oder ihm meine ewige Dankbarkeit versichern.
Solange sich dafür aber niemand findet, gehe ich einfach weiterhin davon aus, dass damit lediglich ein Wahlgeschenk an die Jägerlobby und ihren Mitgliedern verteilt werden sollte, auch wenn ein bisschen Zynismus dabei nicht zu übersehen ist.
Und da sind wir auch schon bei einigen der Themen, die uns dieses Jahr an dieser Stelle interessieren werden. Zuallererst natürlich die Reichstagwahl am 19.September, deren Ausgang noch ziemlich offen scheint und für die die 27 Wölfe vielleicht ihr Leben lassen mussten, dann der Eurovision Song Contest, den man hier in Schweden noch ernst nimmt, dann der Sommer mit allen seinen Facetten, sowie selbstverständlich die Hochzeit der Kronprinzessin am 19.Juni und den damit verbundenen Feierlichkeiten und Touristenmassen. Sie sehen, es gibt noch ausreichend für mich zu tun. God fortsättning!
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