Freitag, 19. November 2010
Über Urlaub in Schweden- oder die Lösung heißt Holmön (Teil 1)
Mich erreichte gestern die Frage, welche Orte man in Schweden besuchen könnte oder sollte. Ich möchte heute also über die schönsten und besten Plätze im ganzen Sveareich schreiben, über die geheimsten Stätten für den ultimativen Sommerurlaub. Was wie ein Märchen beginnt, kann auch wie ein Märchen enden.
Die meisten Leser werden es bemerkt haben, der Winter beginnt ja nun so langsam. Das ist vielleicht der passendste Augenblick über den kommenden Sommerurlaub in Schweden nachzudenken. So besteht für die Interessierten noch genug Zeit zum Träumen oder zum Planen, ganz nach individuellem Charakter. Aber ich möchte den Leser warnen, hier ist man ehrlich und stets objektiv.
Zuallererst fällt mir da als Ziel von Träumen und Reiseplänen der lappländische Fjäll ein, das Gebirge am nördlichen Ende Europas. Es ist schon beeindruckend wie die angeblich letzte Wildnis Europas so da liegt, menschenleer, vegetationsarm und einfach nur groß. Es gibt keine Abgase und keinen Müll. Das Wasser aus dem Bach geht runter wie Öl. Die Sonne zeigt sich Tag und Nacht. Irgendwie paradiesisch, könnte man glauben.
Auf der anderen Seite ist es dort auch im Sommer oft kalt und feucht und schrecklich anstrengend. Matsch an den Wanderschuhen kann ziemlich schwer werden, genau wie der Rucksack mit der Nahrung und der Ausrüstung. Irgendwie schockt dann in solchen Fällen das Wissen um die letzten 70 Kilometer Fußmarsch zurück in die Zivilisation. Die Helligkeit in der Nacht verhindert das notwendige Einschlafen. Die Super-Alleskönner- Markenkleidung versagt auf ganzer Linie. Zuletzt fühlt man nur noch Müdigkeit, Kälte und Heimweh.
Småland und Dalarna
Dann doch lieber an einen dieser Seen in einem dichten und intakten Wald. Zum Beispiel in Småland oder in Dalarna. Vielleicht steht an diesem See sogar ein kleines zu mietendes Häuschen. Eine Straße führt dorthin, so kann man vorfahren und braucht nichts dorthin zu schleppen.
Mit einer Ruderbootsfahrt sorgt man für Abwechslung oder man badet ausgelassen im angenehm temperierten See. Die Fische beißen, Pilze und Beeren schmecken. Abends sitzt man auf der Terrasse und trinkt selbstzufrieden das mitgebrachte Bier aus Deutschland. Es ist ruhig, ganz ruhig.
Zu mindestens so lange wie die örtliche Holzfirma nicht Nachschub in der Nähe schlägt oder sägt. Oder Myriaden von Mücken mit schreckeinflößendem Summen über einen selbst und die Familie herfallen. Das alte und morsche Haus stinkt und nach den obligatorischen Regenfällen ist auch die Straße, die eigentlich nur eine Sandweg war, zum Sumpf mutiert und verhindert die Fahrt zum nächsten Laden. Die war eigentlich dringend nötig, weil man leider den Salzstreuer oder die Spielkarten zu Hause vergessen hat. Der Familienrat findet zu keiner einheitlichen Meinung.
Türen knallen und schrecken die ekligen Viecher auf dem Dachboden auf. Und so weiter und so fort. Später leidet man dann an unliebsamen Erinnerungen.
Die Städte
Vielleicht ist das ein Zuviel an Natur. Es gibt ja auch ein paar schöne Städte in Schweden. Hier sind die Straßen gepflastert. Mit Flugzeug und Zug ist man auch schnell dort und kann sich den mehr als genug vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten, Kulturveranstaltungen und Menschen widmen. In einem bequemen Hotelzimmer braucht man sich um nichts zu kümmern. Das Meer oder Seen sind in der Regel in der Nähe und schnell zu erreichen. Und in den hellen Nächten fürchtet sich niemand vor Verbrechern.
Aber nehmen wir Stockholm als Beispiel, ist es doch wie zu Hause. In Deutschland gibt’s schon genug Möglichkeiten zum Shoppen. Und Menschen sowieso. Außerdem machen auch die Stockholmer im Sommer Urlaub. Niemand hat in der schönsten Jahreszeit Lust auf Arbeit. Von den Wirten bis zur Geigenspielerin. Wirklich viel Kulturangebote gibt es dann doch nicht. Hierbei gilt: je kleiner die Städte, desto trostloser sind die Abende.
Die Restaurantpreise sind außerdem unanständig hoch und schmecken tut es, naja, nicht so wie zu Hause jedenfalls. Die vielen Touristen aus aller Welt haben ihre ganz eigenen Uhrzeiten und nachdem sie gezwungen waren die ganze Nacht wegen deren Krach gegen die Wand zu klopfen, schlafen sie erst am frühen Morgen völlig erschöpft ein und verpassen dann das Ausflugsschiff an Pier 9. Dazu kommt der von zu Hause bekannte Straßenlärm, der hier noch durch die dröhnenden Geräusche der Motorboote ergänzt wird, mit denen die Einheimischen gewöhnlicher weise im Sommer durch die Gegend tingeln. Also sollte man die Städte im Sommer doch lieber meiden.
Die Strände in Südschweden
Bleiben noch die berühmten Strände im Süden, in Skåne oder in Halland. Weißer oder gelber Sand soweit das Auge reicht und keine einzige Menschenseele. Herrlich, hier gibt’s auch keine Mücken. Folgt man der Küstenlinie erreicht man hin und wieder so kleine gemütliche Fischerdörfchen, sehr gepflegt und ausgesprochen idyllisch. Überall wachsen rote Rosen an den Häuserwänden empor und überall isst man leckeren Fisch.
Gut, dafür nerven hier menschenfixierte Strandfliegen, die permanent nach Körperöffnungen suchen. In den Fischerdörfern herrscht tagsüber schreckliches Gedränge und wohl neben den småländischen Sumpfgebieten die höchste Deutschendichte Schwedens. Die Wahrscheinlichkeit hier seinen gehassten Nachbarn zu treffen ist deshalb sehr hoch.
Wenn man sich nicht beeilt, blüht auch schon die Geißel der Ostsee, die Blaualge.Die Bakterien verbreiten sich je nach Windrichtung in wenigen Tagen an allen Küsten. Widersetzt man sich dem darauf ausgesprochenen Badeverbot, ist es nicht unhäufig, dass die restlichen Urlaubstage auf dem Klo verbracht werden. Das kann natürlich auch passieren, wenn man den Fisch aus der Ostsee gegessen hat. Aber das zählt ja zum Allgemeinwissen.
Die Lösung heißt Holmön
Das sollte der Leser alles wissen, bevor er seinen Urlaub in Schweden erträumt. An dieser Stelle liegt es verständlicherweise nahe die Hoffnung zu verlieren. So ein riesiges Land und kein Platz um einen erholsamen Urlaub zu verbringen! Aber das stimmt natürlich nicht. Es gibt selbstverständlich einige Kleinodien, die einen oder mehrere Urlaube wert sind. Das Problem liegt darin, dass jeder der einen solchen Platz gefunden hat, keinesfalls darüber spricht. Das ist sehr menschlich, aber deshalb nicht weniger egoistisch. Als Zeichen meines guten Willens und als Geschenk für die treuen Leser möchte ich deshalb zumindest einen meiner geheimen und überaus sehenswerten Lieblingsplätze verraten.
An der schmalsten Stelle des bottnischen Meerbusens zwischen Schweden und Finnland, dem sogenannten nördlichen Kvarken, liegt die Inselgruppe von Holmön (Holmöarna).
Der Archipel besteht aus fünf größeren und vielen kleinen Inseln und weil es da so schön ist, hat man den größten Teil des Gebietes zum Naturreservat erklärt.
Warum man dorthin fahren sollte und wie es dort aussieht beschreibe ich aber leider erst beim nächsten Mal.
Fortsetzung folgt!
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