Donnerstag, 12. November 2009
Neues aus dem Barbaricum
Für die Römer endeten an Rhein und Donau ihr Reich und ihre Zivilisation. Das Gebiet hinter diesen Flüssen nannten sie Barbaricum.
Diese Gegend galt als undurchdringliche Wildnis, mit tödlichen Sümpfen und nebligen Wäldern, eigenartigen und gefährlichen Tieren und mit schrecklichen, biertrinkenden, fellbekleideten Eingeborenen.
Die meiste Zeit des Jahres war es dort kalt und wenn es einmal nicht regnete, dann schneite es.
In den Augen der Römer konnte kein richtiger Mensch dort leben wollen, denn ein Leben ohne die Errungenschaften der Zivilisation, ohne Sonnenlicht, ohne Wärme war ihnen unvorstellbar.
So oder so ähnlich klangen auch die Meinungen meiner Berliner Mitmenschen als sie vernahmen, ich wolle nach Schweden verziehen. Unverständnis und Spott waren die häufigsten Reaktionen zu meiner Entscheidung, meiner Schönen in ihr Heimatland zu folgen. Nach Schweden! Dem unwirtlichen Land kurz unterm Nordpol, dem Gebiet der beinahe ewigen Dunkelheit, der Heimat von Braunbären, Elchen und blonden Hünen, die regelmäßig auf der Suche nach Alkohol aus ihren Wäldern hervorbrechen und über die Ostsee nach Süden vorstoßen, wenn sie nicht gerade mit Schneeschippen beschäftigt sind.
Sie sehen, wie sehr sich die Meinungen ähneln, scheinbar hat sich die Grenze des Barbaricum nur ein wenig nach Norden, an die Ostsee verschoben.
Das soll mir Grund sein, an dieser Stelle aus Schweden zu berichten. Vielleicht kann ich, stets der Wahrheit verpflichtet, Urteile und Vorurteile bestätigen oder widerlegen. Auf jeden Fall, lieber Leser, möchte ich sie unterhalten.
Grüße aus dem Barbaricum
Max Kenner
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