Freitag, 25. März 2011

Ein Kriegsargument



Schweden exportierte im vergangenen Jahr Waffen im Wert von 13,7 Milliarden schwedischen Kronen, berichtete neulich SIPRI, das internationale Friedensforschungszentrum mit Sitz in Stockholm Östermalm. Schweden befindet sich damit auf Platz 7 der weltweiten Charts der Waffenexporteure. Ein Platz nach Frankreich und ein Platz vor Italien.


Produzenten von Rüstungsgütern haben es nicht leicht. Deren Ruf liegt ohne Zweifel auf demselben Niveau wie der von Tabakkonzernen oder Atomkraftwerkbetreibern. Dazu kommt die relative Begrenztheit des Marktes. Es gibt auf dieser Welt nur 193 souveräne Staaten, plus einiger nicht von allen anerkannter Länder, und einige Konfliktparteien in Bürgerkriegen. Zusätzlich halten manche Länder wie Costa Rica Armeen für überflüssig und fallen als Kunden weg. Man muss sich also als erfolgsorientierter Rüstungsgüterproduzent wahnsinnig anstrengen, um seine Ware an den Mann zu bringen.

Kommt man aus einem kleineren Land verschärft sich das Problem weiter. Ohne einen großen staatlichen Apparat in der Hinterhand, der die Geschäfte seiner eigenen Industrie unterstützt, fällt man im Konkurrenzkampf weiter zurück. Ein schönes Beispiel hierfür sind die Militärkredite der USA an Ägypten oder Kolumbien, für die ausdrücklich us-amerikanische Waffensysteme gekauft werden mussten.

Aus diesem Hintergrund lässt sich leichter verstehen, warum die schwedische Firma Saab (unter Beteiligung weiterer einheimischer Konzerne) ihre Kampfflugzeuge vom Typ Jas 39 „Gripen“ nicht so richtig los wird. Bereits in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt, wird dieses Flugzeug vorallem von den schwedischen Luftstreitkräften geflogen. Ungarn, Tschechien, Südafrika und Thailand haben auch einige Exemplare in Betrieb. Ansonsten war es das auch schon.

In Südafrika laufen zurzeit Ermittlungen gegen einige Regierungsmitarbeiter wegen Korruption. Sie sollen für die Entscheidung zum Kauf der Flugzeuge aus Linköping in Östergötland ausreichende Millionenbeträge entgegen genommen haben. Ob, die voreilige Verurteilung sei mir verziehen, die Verantwortlichen von Saab mit diesem allseits beliebten Verkaufsargument damit eine endgültige Lösung für ihre Absatzprobleme gefunden haben, scheint mehr als fragwürdig.

Die Entwicklung des Flugzeugs hat nach verschieden Angaben bisher 120 Milliarden Kronen gekostet. Nach über 20 Jahren des Feilbietens soll Saab nun endlich hinsichtlich ihres Produktes die Verlustzone verlassen haben. Immerhin. Ab jetzt bedeutet der Verkauf jedes Flugzeugs das Einstreichen von Gewinn.

Man verhandelt derzeit in Brasilien und Indien über den Verkauf seines Produkts, steht aber in direkter Konkurrenz zu französischen und us-amerikanischen Flugzeugherstellern.
Als schwerwiegender Nachteil für Saab, wurde in den letzten Tagen in einigen Medien berichtet, gilt das Fehlen eines Beweises für die Kriegstauglichkeit des Jas 39 „Gripen“. Das bestätigte auch der Verantwortliche von Saab P.Nilsson zur Zeitung Metro mit mehr als blumigen Worten und andere „Experten“ in weiteren Medien. Tatsächlich haben die Jas 39 noch niemals an Kampfhandlungen teilgenommen, der Beweis ihrer Fähigkeiten zur Erfüllung der eigentlichen Aufgaben ist noch nicht erbracht worden.

Die schwedischen Parteien im Reichstag, mit Ausnahme der Ausländerfeinde von den Schwedendemokraten, haben sich für eine Teilnahme der schwedischen Luftstreitkräfte an den Kämpfen in Libyen ausgesprochen. Der schwedische Außenminister Carl Bildt erklärte dazu, die Nato hätte noch keine Anfrage bzw. Hilfeersuchen an Schweden gestellt, aber am kommenden Dienstag wäre das sicher der Fall.

Da Herr Bildt nun in die Zukunft schauen kann und alle Verantwortlichen sich einig sind, wird das neutrale Schweden ab nächster Woche wohl an einem weiteren Krieg teilnehmen. Man möchte bis zu 8 Stück Jas 39 „Gripen“ über Libyen einsetzen. Für Saab selbst handelt es sich wahrscheinlich nur um einen glücklichen Zufall , dass der in Schweden weitverbreitete Wille zum Schutz von Menschenrechten, mit dem Verkaufsinteressen der eigenen Firma zusammentrifft.

Max Kenner, Stockholm

5 Kommentare:

  1. Wie verträgt sich eigentlich die schwedische Neutralität mit deren militärischen Anliegen gegen einen souveränen Staat.Ist Humanität teilbar?Steht das"humanitäre militärische " Eingreifen vor oder nach dem Geldververdienen!

    Fragen über Fragen lieber Max Kenner. Vieleicht finden Sie eine Antwort.

    Ein aufmerksamer Leser

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  2. Hej,
    es ist schon reichlich merkwürdig, dass man als neutraler Staat an einem Krieg teilnimmt. Aber nach dem Beitritt zur EU und der Teilhabe an den Kampfhandlungen in Afghanistan ist die schwedische Neutralität und Bündnisfreiheit seit längerem für die Katz.
    Warum in der schwedischen Öffentlichkeit trotzdem weiterhin die Neutralität postuliert wird, erschließt sich mir nicht vollständig. Vielleicht, weil das für alle beruhigender ist oder, im schlimmsten Fall, niemand so richtig interessiert.
    Was die Humanität angeht, so habe ich den Eindruck gewonnen, sieht man das hier genau andersherum. Die Humanität erfordert geradezu das Eingreifen gegen Quadaffi, daher auch die beinahe vollständige Übereinstimmung im Reichstag von ganz links bis rechts.
    Kommt jemand zu einer anderen Meinung, hört man dann meistens das Totschlagargument 1939, dem Jahr in dem Schweden dem Wüten Hitlers nur zugesehen hat. Ob das schlechte Gewissen von damals, die Entscheidungen von heute begründet, wage ich aber zu bezweifeln. Schließlich würden die Zustände in Syrien, in der Elfenbeinküste oder Saudi-Arabien auch ein schwedisches Eingreifen erfordern.
    Der nächste zwingende Schritt wird dann in den kommenden Jahren der offizielle Beitritt zur NATO sein. Dann hat dieses sinnfremde Hochhalten der Neutralitätsfahne endlich ein Ende.
    Deutschlands Stimmenenthaltung und Fernbleiben vom Krieg wird jedenfalls in den hiesigen Medien nicht unbedingt kritisiert und mit Verständnis begleitet, von einigen wenigen Bellizisten jetzt mal abgesehen.
    Noch frohes Schaffen!

    Viele Grüße von Max

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  3. Nun ist es also wahr. Schweden macht wieder Krieg und vergisst seine Geschichte. Ich bin nur noch traurig.

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  4. Hallo Max,

    vielen dank für deinen Blog! Es ist echt erfrischend, mal was anderes als das Einheitsgedösel vom idyllischen Schweden zu lesen. Das gilt nicht nur für diesen Eintrag sondern eigentlich für alle auf deiner Seite.
    Ich bin eigentlich keiner, der gerne auf Blogs postet (hab nicht mal Facebook), aber gestern, beim stöbern durchs Netz, habe ich folgende Seite gefunden:

    http://schweden-forum.blogspot.com/

    Sieht genauso aus wie deine...ist das irgendwie beabsichtigt, soll heißen, arbeitet ihr zusammen? Ich hoffe doch, alles andere lässt auf weniger schöne Beweggründe schließen (zumahl der Blog erst vor wenigen Tagen online ging....)

    Grüße / begeisterter aber kritikfähiger Schwedenfan

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  5. Hej,
    vielen Dank für Deinen Hinweis! Könnte vielleicht ein Aprilscherz sein :-)
    So richtig weiß ich nicht, was ich davon halten soll, sieht aus wie ein Versuch der Googlesuchmotoroptimierung oder wie das auf Neudeutsch heißt, zumal es ziemlich lieblos daherkommt.
    Ich lasse mich davon nicht weiter stören.
    Jeder, wie er glaubt, tun zu müssen
    (ganz frei nach Friedrich II.)
    Schönes Wochenende!

    Max

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